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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Der sportliche Erfolg in Zyklen

4. Oktober 2017

Im Crazy Horse Saloon in der Rue George V in Paris war am Sonntagabend mächtig was los. France-Galop hatte, um endlich auch einmal etwas für die Pferde zu tun, die zehn letzten Sieger und Siegerinnen des Prix de l´Arc de Triomphe eingeladen. Dummerweise ging das Geschlechterverhältnis nicht recht auf. Denn als die drei Hengste Sea The Stars, Workforce und Golden Horn eintrafen (alle im tadellos sitzenden Smoking), hörten sie schon aus der Ferne das Geplapper der sechs Stuten, die sich im Foyer zusammengefunden hatten. Besonders hervor tat sich Mademoiselle Solemia, die sich nicht einkriegen konnte mit ihrer Story vom muskulösen Japaner Orfevre, der vor lauter Kraft nicht geradeaus laufen konnte. „Und dann kracht der kurz vor dem Ziel noch in die Rails, ich dachte, das gibt´s doch gar nicht“, kicherte sie. Ein ernstes Thema schlug Fräulein Danedream an, als sie von ihrer Quarantäne im Kölner Rennstall erzählte, „drei Monate lang war ich da eingesperrt, konnte nicht nach Paris um meinen Titel zu verteidigen. Furchtbar.“ Madame Zarkava war noch etwas traurig. Sie war eigentlich nur gekommen um ihren Sohn Zarak siegen zu sehen, der wurde aber nur Zehnter. Miss Enable erschien etwas verspätet, sie musste noch „zum Doping“, wie sie sich ausdrückte. Aber alle applaudierten der jüngsten Siegerin, die immer noch sportlich durchtrainierte Miss Found aus Irland ebenso wie die stolze Mademoiselle Treve, die sich etwas auf sich einbildete, weil sie als Einzige zwei Mal gewonnen hatte. Als die drei Hengste diese Versammlung sahen, bogen sie lieber gleich ab in Richtung Bar und bestellten die ersten Drinks - es war ihnen unangenehm, als sieggewohntes Geschlecht so deutlich in der Unterzahl zu sein. Auch wir wollen an dieser Stelle leise die Türe schließen und nicht weiter stören. Wir müssen nämlich kurz darüber nachdenken, warum das eigentlich so ist, dass mit einem Male die Stuten so viel abräumen beim Prix de l´Arc de Triomphe.

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Es ist wohl anerkannt, dass auch der sportliche Erfolg häufig in Zyklen verläuft. Auf Perioden andauernden Erfolges folgt ein Niedergang, bevor es wieder aufwärts geht. So scheint es auch mit den Stutenerfolgen im Prix de l´Arc de Triomphe zu sein. In den letzten zehn Jahren gewann sieben Mal eine Stute, während in den zwanzig Jahren zwischen 2007 und 1988 allein Urban Sea ein Sieg gelang. Im Jahrzehnt von 1987 bis 1978 dagegen konnten wieder fünf Stuten gewinnen, und zwar in Serie. Eine vernünftige Erklärung, warum das so ist, kann man nicht geben, es scheint Zufall zu sein. So wie beim Roulette, wo die Kugel zwanzig Mal in Folge auf Rot fällt, um dann wieder lange Zeit auszubleiben.

Kein Zufall ist, dass Stuten in ihrer Gesamtheit zwar etwas leistungsschwächer sind als Hengste (daher die Stutenerlaubnis), als Einzelexemplare aber manchmal so große Klasse vertreten, dass man es kaum fassen kann. Bei Treve war das der Fall, auch Winx und Black Caviar müssen hier genannt werden. Und jetzt Enable, von der man noch gar nicht weiß was sie wirklich kann. Sie hat ja nur einmal verloren, im April, in einem kleineren Rennen gegen ihre damals noch für stärker gehaltene Stallgefährtin Shutter Speed. Danach folgten sechs Siege, die letzten fünf davon auf Gruppe-I-Ebene und immer mit überlegenem Vorsprung. Für ihren Sieg am Sonntag haben wir internationalen Handicapper uns erstmal auf ein Rating von 128 (104 kg) verständigt. Das sind fünf Pfund mehr als Found im vorigen Jahr bekommen hat. Enable steht damit zunächst auf einer Stufe mit den früheren Siegerinnen Danedream und Zarkava, aber zwei Pfund unter Treve, deren erster, mit fünf Längen Vorsprung ausgefallene Sieg mit 130 (105 kg) bewertet wurde. Ausgangspunkt der Rechnung für den Arc am Sonntag war der viertplatzierte Order of St George mit seinem aktuellen Rating von 121 (100,5 kg). Die beiden deutschen Teilnehmer Dschingis Secret und Iquitos kommen danach auf jeweils 118 (99 kg). Iquitos hat damit seine Marke bestätigt, Dschingis Secret blieb ein Kilo unter seiner Leistung aus dem Prix Foy, als er Cloth of Stars (jetzt 125=102,5 kg) schlagen konnte.

Video: Qatar Prix de l'Arc de Triomphe 2017

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D´r leeve Jung hat wieder gewonnen. Und sogar in Düsseldorf, allein das will etwas heißen. Der „leeve Jung“ ist natürlich Millowitsch. Obwohl – Willy Millowitsch war eigentlich der „kölsche Jung“, während es für den leeven Jung mehrere Kandidaten gibt, darunter Horst Muys, der nach dem Krieg zwar auch beim Millowitsch-Theater angefangen hat, dann aber nicht nur als ziemlich berüchtigter Büttenredner eigene Wege ging, sondern auch wegen seines nicht immer korrekten Lebenswandels mehrfach Einzug in den „Klingelpütz“ hielt, dem Kölner Gefängnis, das Muys selbst gerne „Hotel zu den sieben Stäben“ nannte. In Millowitsch, also dem Pferd jetzt, vereinigen sich Fleiß und Beständigkeit. Sein Formspiegel bei acht Starts in diesem Jahr liest sich 41213321, so etwas hat der Handicapper natürlich gerne. Dabei lagen seine Leistungen immer zwischen 92 und 96 Kilo. Diesmal waren es, trotz des sehr leichten Sieges, nicht mehr als 94,5 kg, denn – bei allem Respekt: dieser Große Preis der Landeshauptstadt war ein schwach besetztes Rennen. Aber wo sollen die guten Meilenpferde auch herkommen? Poetic Dream und Empire of the Star sind am Samstag auf der Auktion in Chantilly verkauft worden, Noor al Hawa und Wonnemond liefen im Prix Daniel Wildenstein und Pas de Deux hat sich wohl wieder krankgemeldet. Da bleibt nicht mehr viel übrig.

 

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