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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

„Win And You´re In“

6. September 2017

Es gibt ja immer wieder Zusammenhänge, die der Mensch auf Anhieb nicht erkennt. Etwa warum das Badewasser immer links herum in den Abfluss läuft oder sich Hochdruckgebiete rechts herum drehen. Auch im Galoppsport geht es mal in die eine, mal in die andere Richtung, denn es gibt, wie wir alle wissen, Rennbahnen mit Links- und welche mit Rechtskursen. Auf größere Probleme ist das bisher nicht gestoßen, jedenfalls sind mir keine bekannt geworden. Nun aber ist das plötzlich ein Thema. Denn Trainer Jean-Pierre Carvalho hat verkündet, Guignol nur noch auf Linkskursen einsetzen zu wollen – vorerst zumindest. Er, Carvalho, glaubt nämlich, dass Guignol auf Rechtskursen nicht so gut aufgehoben ist, weshalb er zuletzt auch nicht im Großen Preis von Berlin gelaufen ist. Dass Guignol jedenfalls links herum sehr schnell ist, hat man nicht nur voriges Jahr in München, sondern in diesem Jahr auch in Baden-Baden gesehen: Nach dem Großen Preis der Badischen Wirtschaft im Frühjahr hat er jetzt auch den Großen Preis von Baden gewonnen, beide Male gegen Iquitos. 

Diesmal war der Sieg sogar noch eindrucksvoller – ja, es war seine bisher wohl beste Leistung. Dabei konnte er unterwegs bequem in seiner Komfortzone an der Spitze agieren. Lediglich Prize Money probierte im Schlussbogen einen Angriff, den er im Ziel mit dem letzten Platz bezahlen musste. Kaum zu glauben, dass dieses Pferd im Februar noch in der Lage war, ein Pferd wie Postponed zu schlagen. Die Leistung von Guignol haben wir mit 99,5 kg (Rating 119) bewertet. Iquitos und Colomano kommen somit auf 97,5 kg (115) und Windstoß auf 96,5 (113), ein Kilo weniger als bei seinem Derbysieg.

Video: Baden-Baden: 145. Longines Grosser Preis von Baden (Gruppe 1)

Der Große Preis von Baden ist immer auch eine Standortbestimmung für unsere besten Pferde. Danach sieht die Lage jetzt, wo es in die großen Herbstprüfungen geht, folgendermaßen aus: Wir haben mit Dschingis Secret (100 kg), Guignol (99,5) und Iquitos (99 kg) drei gute, vielleicht sogar sehr gute Pferde, die sich jederzeit gegenseitig schlagen können. Diese drei Pferde sind besser als die besten Dreijährigen, also Windstoß und Colomano, die beide auf ein GAG von 97,5 kg kommen. Beide sollen, wie man hört, jetzt in den Preis von Europa gehen und können dort untereinander ausmachen, wer der beste Dreijährige ist. Dschingis Secret und Iquitos sind wohl weiter auf Kurs in Richtung Prix de l´ Arc de Triomphe, wo sie über eine Außenseiterrolle erst einmal nicht hinauskommen werden. Und Guignol? Sein Trainer nannte den Großen Preis von Bayern am 1. November in München-Riem, schließlich geht es dort links herum. Aber Guignol hat mit seinem Sieg in Iffezheim auch einen Freifahrschein für den Breeder´s Cup gewonnen, der Große Preis von Baden ist bekanntlich ein „Win And You´re In“-Rennen. Der Breeder´s Cup Turf findet in diesem Jahr am 4. November in Del Mar statt. Und dort herrscht – wie auf allen amerikanischen Bahnen – Linksverkehr. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass das jetzt kein Thema sein soll.

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Für den Besitzer von Ashiana ist der Breeder´s Cup bestimmt ein Thema. Das deutete er am Samstag an, nach dem Sieg seiner Stute im T. von Zastrow-Stuten-Preis, dem zweiten und letzten „Win And You´re In“-Rennen in Deutschland. Ashiana hat in den vergangenen Wochen eine erstaunliche Entwicklung hinter sich gebracht. Erst beim Frühjahrs-Meeting konnte sie ihr erstes Rennen gewinnen, das war dann auch gleich das Kronimus-Diana-Trial. Sie gewann danach in Hannover gleich noch ein Listenrennen und war im Henkel-Preis der Diana Fünfte. Jetzt ist sie Gruppe-II-Siegerin und weiter deutlich auf einem aufsteigenden Ast, für ihre weitere Laufbahn stehen alle Ampeln auf Grün. Zunächst könnte es nach Chantilly zum Prix de l´Opera gehen, in dem deutsche Stuten zuletzt aber kaum überzeugt haben. Danach wäre das Breeder´s Cup Fillies & Mares eine Option, das Rennen ist in diesem Jahr aber nur 1800 Meter lang. Irgendwie passt es da nicht, dass das Iffezheimer Rennen über 2400 Meter ausgeschrieben war. Aber Ashiana ist vielleicht beweglich genug, das zu kompensieren. Weiter steigern muss sie sich ohnehin, denn die 93,5 kg (Rating 107), bei denen sie jetzt steht, reichen für so große Aufgaben natürlich noch nicht aus.

Ashiana
Ashiana

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Am vorigen Donnerstag traf ich auf der Iffezheimer Rennbahn den Besitzer Klaus Wilhelm und seinen Trainer Sascha Smrczek. Wir diskutierten die Chancen von Wonnemond für das bevorstehende Rennen in der Türkei, die Topkapi-Trophy. Nachdem ich die Ratings für die überwiegend englischen Gegner besorgt hatte, stand fest: Was die können, kann Wonnemond auch. Die türkischen Wetter in Istanbul sahen das am Sonntag etwas anders, sie wetteten das verbündete Godolphin-Paar Dream Castle und Carry On Deryck auf lächerliche 10,5:10 herunter, was auch daran lag, dass dies hochdotierte Rennen (Siegpreis 270.000 Euro) in den neun Jahren zuvor acht Mal von englischen Pferden gewonnen wurde. Eine David-gegen-Goliath-Geschichte also: Der „kleine“ 9000-Euro-Jährling aus Bruchmühlbach-Miesau (Wohnort seines Besitzers), gezogen von Klaus-Henning Schmoock aus Klüden in Niedersachsen, gegen die haushohen Favoriten aus dem Stall des Herrschers von Dubai, die sogar mit eigener Boeing anreisten. Diesmal aber gewann der kleine David, und das auch noch in großem Stil vom allerletzten Platz. Dream Castle, der eine Länge hinter Wonnemond als Zweiter das Ziel erreichte, war zu Jahresbeginn sehr guter Fünfter in den 2000 Guineas zu solchen Kanonen wie Churchill und Barney Roy gewesen und reiste mit einem aktuellen Rating von 111 (95,5 kg) an. Hierüber gerechnet ergibt sich für Wonnemond eine neue Bestmarke von 96,5 kg (113). Allzu wichtig ist das aber nicht, denn Wonnemond ist Wallach und wird uns, Gesundheit und Standhaftigkeit bei Kaufangeboten vorausgesetzt, noch lange erhalten bleiben. Das wäre ein Glück.

 

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