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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Dubai Carnival und Erinnerungen an Quijano

International 8. März 2017

Seit 1996 leistet sich das Emirat Dubai den Luxus seines Racing Carnivals. In diesem Jahr hat es bisher zehn Renntage gegeben, wie üblich mit hoher internationaler Beteiligung und verschwenderischen Rennpreisen. Am vorigen Samstag war der sogenannte „Super Saturday“, mit fünf Grupperennen, die als Vorbereitung für die Rennen des World Cup-Tags am 26. März gedacht sind. Von den großen Stars war aber nur Postponed am Start, im G2-Dubai City of Gold. Eine vermeintlich leichte Aufgabe, denn der im Vorjahr gescheiterte „Arc“-Favorit stand mit seiner Marke von 124 (102 kg) neun Pfund über dem Pferd mit dem zweitbesten Rating. Trotzdem verlor Postponed, wurde mit einem „Kopf“ geschlagen nur Zweiter, auch weil er in der entscheidenden Phase in eine schwierige Lage geriet, aus der er erst befreit werden musste. Der Sieger Prize Money, taktisch klug geritten von Adre de Vries, ist ein steigerungsfähiger Vierjähriger aus dem Godolphin-Stall mit einem bisheriges Rating von 115=96,5 kg. 

Video: 2017 Dubai City Of Gold - Sieger: Prize Money (GB)

Mit Ross war am Samstag auch das einzige deutsche Pferd beim diesjährigen Carnival dabei. Der von Peter Schiergen für den Stall Domstadt trainierte Fünfjährige bestätigte in einem G3-Rennen seine gute Form, wurde erneut Zweiter, wie schon zuletzt im Handicap. In den 21 Jahren des Racing Carnivals waren insgesamt 53 in Deutschland trainierte Pferde am Start. Sie gewannen bei 120 Starts fast 3,5 Millionen Euro, wovon allein 2,9 Mio. auf die großen Brocken entfallen, die Stars wie Caitano, Silvano, Boreal, Paolini und Quijano dort verdient haben. 

Gewonnen haben dort aber nur drei Pferde: Paolini, Encinas und – Quijano. Der war – man mag es kaum glauben - der bisher letzte deutsche Sieger in Dubai. Zehn Jahre ist es nun schon her, seit Quijano am 1. März 2007 das G3-Dubai City of Gold gewann und damit den Schlusspunkt hinter eine großartige, zehn Rennen umfassenden Siegesserie setzte, die elf Monate zuvor in einem Rennen für sieglose Vierjährige in Hannover begonnen hatte. Danach folgten in Deutschland noch fünf Handicaps und ein Listenrennen, bevor er am 25. Januar 2007 mit der Marke von 100 (GAG 90) sein erstes Handicap in Dubai gewann, damals noch auf der Rennbahn von Nad Al-Sheba. Selten wohl hat es dort einen so überlegenen Sieger gegeben, Mick Kinane konnte auf der Zielgeraden wie im Kinosessel sitzend die Konkurrenz beobachten. Auch zehn Pfund Aufgewicht konnten Quijano beim nächsten Start nicht stoppen, diesmal trennte ihn aber nur ein „kurzer Kopf“ von einer Niederlage. Die kam dann im G1-Sheema Classic am Word-Cup-Tag. „Der deutsche Ausgleicher hat vergeblich mit ihm gekämpft, aber dem Handicapper aus Dubai ging es nicht besser“, hieß es später über Quijano im Timeform-Kompendium „Racehorses of 2007“, wo er auf ein Rating von 122 (101 kg) kam. Seine offizielle Marke betrug 119 (99,5 kg); Timeform liegt immer ungefähr drei bis vier Pfund über den offiziellen Handicap-Zahlen.

Obwohl ich vergeblich mit ihm gekämpft habe, gehört Quijano doch zu meinen Lieblingspferden. Er bereiste die ganze Welt, warf sich in jede Schlacht und kam drei Mal in Folge auf ein Jahres-GAG von 99,5 kg. Seine Zehnerserie wird nur von seinem Vater Acatenango übertroffen, der zwölf Mal in Folge siegte. Als Wallach führt Quijano heute ein Rentnerdasein auf seiner Koppel im Gestüt Fährhof. Nur ab und an wird er noch gebraucht. Als Führpferd, wenn die Jährlinge angeritten werden.

* * *

Valparaiso ist nicht nur Lesern der „Buddenbrooks“ als vorübergehender Aufenthalt des „schwarzen Schafs“ Christian ein Begriff. Die chilenische Hafenstadt verfügt auch über eine große Rennbahn. Dort fand am Sonntag der 33. Longines Gran Premio Latinoamericano statt, nach dem Gran Premio Carlos Pellegrini das größte, aber vor diesem das internationalste Rennen Südamerikas. In dem erst seit 1981 gelaufenen Rennen siegten bisher zehn Mal Pferde aus Brasilien, gefolgt von Peru mit neun, Chile mit acht und Argentinien mit fünf Siegern. Uruguay konnte einmal gewinnen. Der diesjährige Sieger kommt aus Argentinien und ist Sixties Song, also jener Dreijährige, der bereits kurz vor Weihnachten den „Carlos Pellegrini“ gewonnen hat. Er ist erst das zweite Pferd nach Potrillos (1991/92), dem dieses Doppel gelang. Sixties Song, in den World Rankings mit 116 (98 kg) eingestuft, gewann das $500.000-Rennen mit 2 ¼ Längen gegen den chilenischen Derbysieger und Favoriten Full of Luck, der aber wegen Behinderung des Drittplatzierten Tinku einen Platz zurücktreten musste. Die Zeit für dieses 2400-Meter-Rennen auf Gras betrug 2:24,88 Minuten, wobei man wissen muss, dass in Lateinamerika die Uhren immer erst ca. 30 Meter nach dem Start zu laufen beginnen.

Der Charakter des Latinoamericano-Rennens ist sehr ungewöhnlich. Es wird nicht nur häufig zwischen Gras- und Sandbahn gewechselt, auch der Austragungsort ändert sich regelmäßig. Gastgeber ist jedes Mal ein anderes der großen südamerikanischen Rennsportländer. So war im Vorjahr die Rennbahn Gavea in Rio de Janeiro der Veranstaltungsort, 2018 wird es Uruguays Hauptstadt Montevideo mit der Rennbahn Maronas sein. Die Distanz beträgt meistens 2000 Meter, kann aber auch schon einmal 2100 Meter, oder, wie diesmal, 2400 Meter betragen.

Video: 33. Longines Gran Premio Latinoamericano - Sieger: Sixties Song (ARG)

 

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