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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Der Preis der Diana

9. August 2017

Die römische Göttin Diana, Beschützerin der Frauen und Mädchen und augenscheinlich auch der weiblichen Rennpferde, war auch diesmal wieder auf dem Düsseldorfer Grafenberg zu Gast, um im 159. Henkel Preis der Diana ihre schützende Hand über die deutschen Stuten zu halten. Denn zum nunmehr dritten Mal in den letzten vier Jahren konnte der Angriff starker englischer Favoritinnen auf das älteste klassische Rennen Deutschlands abgewehrt werden. Nach Secret Gesture (25:10, Zweite) und Architecture (20:10, Dritte) musste nun auch die Umgebung von Wuheida (21:10, Dritte) zur Kenntnis nehmen, dass hinter dem Berg auch Leute wohnen. Wuheidas Trainer Charlie Appleby, dessen in „Thoroughbred Daily News“ veröffentlichter Kommentar vor dem Rennen noch leicht überheblich geklungen hatte („Die Deutschen haben zwar ab und an gute Pferde, meistens aber nur Gruppe 2- oder 3-Niveau“), sprach hinterher doch recht anerkennend über Lacazar und Megera, die beiden vor seinem Pferd eingekommenen Pferde. Er lobte sein Stute sogar wegen ihres kämpferischen Einsatzes und sah auch in dem etwas aufgeweichten Boden keinen Grund für die Niederlage. Lediglich die Distanz sei etwas zu weit gewesen, eine nachvollziehbare Analyse. Dass die Favoritin an mangelndem Stehvermögen scheitern würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Selbst die Experten von „Timeform“ sagten Wuheida jüngst angesichts ihrer Abstammung eine glänzende Zukunft in Rennen über weite Wege voraus (“an exciting prospect“). Aber die Gene sind eben nicht auszurechnen - ein Grund warum Vollblutzucht so spannend ist und es möglich ist, dass kleine Züchter, zu denen ich jetzt einmal Ina Zimmermann vom Gestüt Haus Zoppenbroich rechne, von Zeit zu Zeit auch gegen Vollblutimperien wie Godolphin bestehen können.
Auch wenn vielleicht nicht alles nach dem Geschmack für Wuheida war, so hat sie doch auch in Düsseldorf noch eine ordentliche Leistung gezeigt, die sich dann auch in den Ratings für Lacazar und Megera widerspiegeln muss, die vor ihr, und zwar deutlich vor ihr, ins Ziel kamen. Da die Stuten auf den Plätzen 4 bis 8 alle mit Marken zwischen 93 und 90 ins Rennen gegangen waren, musste die Rechnung bei einer dieser Stuten ansetzen. Wir haben uns für die Fünftplatzierte Ashiana (90,5) entschieden. Dadurch ergeben sich für Wuheida 93 kg (Rating 106), für Megera 96 (112) und für die Siegerin 97 kg (114).

Lacazar siegt unter Andrasch Starke im 159. Henkel-Preis der Diana
Lacazar siegt unter Andrasch Starke im 159. Henkel-Preis der Diana

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Rennvideo vom Henkel Preis der Diana 2017

97 Kilo für einen Diana-Sieg sind viel. Seit es internationale Ratings gibt, also seit 1985, hat nur Dancing Rain (97,5) mehr bekommen, nach ihrem 3-Längen-Sieg vor sechs Jahren gegen Djumama. Wir glauben die hohe Marke rechtfertigen zu können aufgrund des großen Abstands zu den restlichen Teilnehmern. Für die Qualität des Rennens spricht außerdem die Zeit, in der es gelaufen wurde. 2:17,45 Minuten sind angesichts des offiziell als „weich“ deklarierten Bodens beachtlich. Lacazar war damit fast zweieinhalb Sekunden schneller unterwegs als Molly le Clou eine halbe Stunde später beim Sieg im Ausgleich I und mehr als anderthalb Sekunden schneller als Near England im Listenrennen. Für Lacazar spricht zudem die Tatsache, dass sie sich aus kleinen Anfängen stetig zu steigern wusste. Ihre Platzierungen lesen sich in Ziffern 6331111 und in GAG 65 – 68 – 68 – 72 – 75,5 – 93 – 97.
Bei der Frage nach der Zukunft der Diana-Siegerin könnte man allerdings nachdenklich werden, denn Lacazars Vorgängerinnen (mit Ausnahme von Dancing Rain) operierten in ihren nachfolgenden Rennen doch eher, na ja – unglücklich. Serienholde wurde Fünfte von zehn im Großen Preis von Baden, Turfdonna startete überhaupt nicht mehr, und Feodora, Penelopa, Salomina, Enora, Night Magic und Rosenreihe liefen alle entweder im Prix Vermeille oder Prix de l´Opera und endeten dort bis auf Feodora (Fünfte) weit zurück. Und genau eines dieser Rennen (vielleicht sogar beide) sind jetzt als Ziel für Lacazar ausgegeben. Vielleicht sollte die Göttin Diana dann auch dort einmal vorbeischauen.

n-tv Bericht über den klassischen Sieg von Lacazar auf dem Düsseldorfer Grafenberg

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Kein anderes Rennen in Deutschland hat ja in den vergangenen 30 Jahren eine vergleichbar positive Entwicklung genommen wie der Preis der Diana. Dies zeigt am deutlichsten ein Blick auf die ausgeschütteten Geldpreise. Vor dreißig Jahren war die Diana mit insgesamt 61.355 Euro ausgestattet, 1997 waren es 204.516 Euro, zehn Jahre später 350.000 Euro und in diesem Jahr wurden 500.000 Euro verteilt. Im selben Zeitraum ging, um nur ein Beispiel zu nennen, die Dotierung des Preises von Europa von 204.516 Euro auf 155.000 Euro zurück. Das Geld auch Klasse anzieht, zeigt sich an den Durchschnittsratings für die vier Erstplatzierten. Es stieg in den drei Jahrzehnten zwischen 1987 und 2016 um ungefähr ein Kilo pro Jahrzehnt von knapp 93 kg bis auf annähernd 95 kg. Einen richtigen Schub bekam das Rennen, seit es mit der großzügigen Unterstützung des Hauses Henkel in Düsseldorf gelaufen wird, also seit 2006. Auch die Verlegung um zwei Monate von Anfang Juni auf Anfang August war ein Erfolg, denn seitdem erfährt die Diana eine deutlich höhere internationale Aufmerksamkeit, was wichtig ist, um den Gruppe-I-Status zu halten.
Der Preis der Diana, nach dem Union-Rennen das Rennen mit der größten Tradition in Deutschland, hieß nicht von Anfang an so. Zu Beginn, als Berlin-Tempelhof noch Austragungsort war, waren es die „Oaks Stakes“, ganz nach dem englischen Original. Nach der Reichsgründung hatte es für einige Jahre den ganz profanen Titel „Stuten-Rennen“, bis dann 1880 erstmals der Name „Preis der Diana“ auftauchte. Das Rennen hatte früher seinen Platz im Kalender immer während des mehrtägigen Berliner Sommer-Meetings im Juni. Die ersten „Oaks Stakes“ fanden am 22. Juni 1857, einem Montag, auf dem Rennplatz Tempelhof statt, es ging um 500 Taler. Graf Alvenslebens Sinope siegte laut Rennbericht „leicht mit 2 Längen gegen A good Joke, eben so weit dahinter Caroline und Seamew. Die übrigen hatten den Kampf schon früher aufgegeben.“

 

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