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Menschen im Galopprennsport

Im Porträt: Christian Merten

Hohe alte Bäume rahmen das geschmackvolle Haus ein, dessen weißen Mauern und großzügigen Holztüren sich der Umgebung gut anpassen. Weite Koppeln liegen im Hintergrund und der Innenbereich ist durch aufwändige Holzvertäfelungen geprägt. Bewohner dieses malerischen Gebäudes sind Kallisto und Protectionist. Außerdem ist hier Christian Merten zusammen mit seiner Frau zu Hause. Passenderweise Wand an Wand mit seinen Schützlingen, um die sich in seinem Berufsleben alles dreht. Er ist Hengstwärter auf dem Gestüt Röttgen und damit verantwortlich für das Wohlergehen und die Deckarbeit der beiden Hengste.

Christian Merten
Christian Merten
Name Christian Merten
Wohnort Gestüt Röttgen
Alter 34 Jahre
Tätigkeit Hengstwärter
„Alex, der Probierhengst war sogar bei meiner Hochzeit mit dabei."
 

Für Christian Merten beginnt gerade die arbeitsreichste Zeit des Jahres. In der Decksaison von Februar bis Juni nimmt er sich nur alle vier bis fünf Wochenenden frei. „Zum Glück liegt Karneval in diesem Jahr sehr früh und damit vor der Decksaison. Daher kann ich dieses Mal ein paar Tage frei nehmen und richtig mitfeiern“, verrät uns Christian Merten. Er ist vor kurzem zum zweiten Vorsitzenden seines Karnevalsvereins in Overath-Marialinden gewählt worden und ist sehr beschäftigt mit der Organisation des diesjährigen Karnevalszuges. Nicht immer kann er sich so viel Zeit für den Karneval nehmen, da er bei der Deckarbeit seiner Hengste möglichst dabei sein will.

Das Leben eines Deckhengstes in Röttgen

Mit seiner Kollegin, der stellvertretenden Hengstwärterin, teilt er sich die Arbeit rund um die Deckhengste auf Gestüt Röttgen. Das sind momentan der 21-jährige Oldie Kallisto, der nahezu sein ganzes Leben von Geburt über Rennstall und dann als Deckhengst auf dem Gestüt verbracht hat und in seiner zweiten Decksaison der achtjährige Protectionist. Geritten werden die beiden Hengste nicht, stattdessen werden sie täglich eine Stunde durch den Wald geführt und haben regelmäßigen Auslauf auf der Koppel. Während unseres Gesprächs führt Christian Merten mich zum Stall. Von sehr großzügigen Boxen aus können die Hengste nach draußen auf einen Paddock gelangen und von dort aus auf die Koppel. „Meine Augen gleiten mehrmals täglich über die Koppeln und suchen nach Gegenständen, die den Pferden gefährlich werden könnten.“ Mit diesen Worten spricht der Hengstwärter die Verantwortung für die wertvollen Pferde aus, die Teil seines Jobs ist.

Während der Saison sind die Hengste stark gefordert: Protectionist hat in seinem ersten Jahr ca. sechzig Stuten gedeckt. Das kann auf bis zu 120 Stuten gesteigert werden. „In England decken einige Hengste bis zu 200 Stuten. Da ist viel Management nötig und es ist pro Rosse keine zweite Chance, also kein zweiter Sprung möglich“, weiß der 34-Jährige zu berichten. Ein sogenannter „Probierhengst“ testet die Aufnahmebereitschaft der Stuten, bevor dann die Deckhengste die Arbeit übernehmen. Für die Hengstwärter ist der Deckvorgang nicht ungefährlich, weswegen Helm und Sicherheitsschuhe zur Routine gehören. Aber auch für die Hengste kann es schmerzhaft werden, wenn die Stute nach hinten austritt. Aus diesem Grund werden den Stuten sogenannte Deckpantoffeln über die Hufe gestreift.

Vom Koch zum Pferdewirt

Christian Merten wollte eigentlich Koch werden. Nach einem Praktikum in diesem Bereich überlegte er es sich anders und entschied sich für ein Praktikum im Pferdestall. Das Interesse an Pferden hatte er immer schon und seine Mutter gab ihm den Tipp, sich doch einmal in Röttgen zu bewerben. So begann er bereits im Jahr 2000 seine Laufbahn auf dem Gestüt, absolvierte seine Ausbildung als Pferdewirt, wurde 2006 stellvertretender Hengstwärter und bestand 2012 seine Prüfung zum Pferdewirtschaftsmeister. Der gebürtige Engelskirchener ist mittlerweile erster Hengstwärter und stellvertretender Gestütsmeister in Röttgen. Eine Karriere wie sie im Buche steht!

Einen Hengst hat Christian Merten besonders ins Herz geschlossen. „Alex, der Probierhengst war sogar bei meiner Hochzeit mit dabei.“ Besondere Freude macht es ihm, sich immer wieder auf neue Hengste und damit auf verschiedene Charaktere einzulassen. Kallisto ist beispielsweise gerne auch bei Wind und Wetter draußen, während Protectionist bei starkem Regen lieber in der Box das Heu frisst. Mit jungen Hengsten, wie Protectionist, zu arbeiten ist immer eine besondere Herausforderung, da sie die Entwicklung eines Rennpferdes zum Deckhengst vollziehen müssen. „Es ist alles neu für sie und bei dem Beginn ihrer neuen Karriere darf ich sie begleiten“.

Man merkt, dass Christian Merten seine Hengste gut kennt und zu jedem von ihnen eine besondere Beziehung aufgebaut hat. Daher ist es für ihn auch nicht ungewöhnlich, mit den Hengsten unter einem Dach zu leben. Ein Küchenfenster bietet ihm den Blick auf die beiden Hengstboxen. „Nur wenn die Hengste früh morgens gegen die Wand treten, ist es schon mal etwas störend“, sagt der Hengstwärter schmunzelnd. Seine Frau erwartet im Mai das erste Kind – da werden diese Tritte der Hengste wohl eher Nebengeräusche im Hause Merten sein! Wir wünschen viel Glück!

Dr. Petra Bracht

 
Christian Merten und Frank Dorff freuen sich 2015 über den Sieg im Hamburger Stuten-Preis
Christian Merten und Frank Dorff freuen sich 2015 über den Sieg im Hamburger Stuten-Preis

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