Login
Trainerservice
Schliessen
Login

Menschen im Galopprennsport

Im Porträt: Marc Rühl

Als ich Marc Rühl um ein Interview für unsere Serie „Menschen im Galopprennsport“ bitte, erreiche ich ihn im Schichtdienst. Seine Stute Nassau erwartet in den nächsten Tagen ein Fohlen und das bedeutet für ihn Nachtschicht. Es gibt mir einen ersten Eindruck vom Pferdefotografen Marc Rühl, der ganz offensichtlich sein Hobby zum Beruf gemacht hat.

Marc Rühl
Marc Rühl
Name Marc Rühl
Wohnort Bedburg
Alter 48 Jahre
Tätigkeit Pferdefotograf
„Pferdefotos werden nur gut, wenn der Fotograf Pferde liebt und respektiert.“
 

Marc Rühl ist ein Mann mit klaren Zielen und Ansichten. Bereits als Sechsjähriger steht für ihn fest, dass er Pferdefotograf werden will. Er fotografiert gerne und am liebsten das eigene Pferd. Als er 15 Jahre alt ist, nimmt ihn ein Freund mit auf die Rennbahn und sein Interesse am Galopprennsport ist geweckt und wird ihn nicht mehr loslassen. Der Einstieg in die Vollblutzucht ist ebenfalls schnell passiert, ausgelöst durch einen Unglücksfall: Sein Reitpferd stirbt durch einen Blitzschlag auf der Weide. Sein Vater kauft ihm schließlich ein neues Pferd, eine Vollblutstute. Da Marc Rühl krankheitsbedingt nicht reiten kann, wird die Stute gedeckt. Damit beginnt eine bis heute andauernde Pferdehaltung und-zucht, die er zunächst gemeinsam mit seinem Vater in Rösrath durchführte. Mittlerweile hat es ihn nach Bedburg geführt, wo er heute lebt.

Mit 18 Jahren selbstständig

Seine ursprünglichen Pläne, eine Ausbildung zum Pferdewirt zu machen, hat er nie umgesetzt. Das hatte er sich vorgenommen, nachdem er 1985 ein Praktikum auf Gestüt Röttgen absolvierte. Stattdessen brachte er sich selbst das Fotografieren bei und machte sich schon mit 18 Jahren selbstständig als Pferdefotograf. „Pferdefotos werden nur gut, wenn der Fotograf Pferde liebt und respektiert. Nur dann kann er einschätzen wie sie reagieren und sich bewegen“, sagt der 48-Jährige und sein Erfolg gibt ihm recht. Besonders gerne fotografiert er Deckhengste für Gestüte, weil das die anspruchsvollsten Bilder seien. Bilder von Pferderennen, also Pferden in Bewegung, seien für ihn dagegen reine Routine. Mittlerweile reist er durch die halbe Welt, wenn er beispielsweise Aufträge des renommierten Darley Stud annimmt, die ihn nach Japan, Frankreich oder Irland führen. Insbesondere in den japanischen Gestüten fotografiert er gerne. „Die Japaner erfüllen mir jeden Wunsch. Wenn ich morgens um 5 Uhr im Sonnenaufgang fotografieren möchte, stehen die Pferde um diese Uhrzeit bereit“. Um seine vielen Anfragen und Arbeiten erledigen zu können, hat er mittlerweile mehrere Mitarbeiter, die für sein Unternehmen tätig sind.
Seine Frau Gabi, ebenso pferdevernarrt wie er, ergänzt die beruflichen und privaten Aktivitäten perfekt. Sowohl in der gemeinsamen Agentur für Gestütswerbung, als auch als Begleitung auf seinen Auslandsreisen steht sie ihm mit Begeisterung zur Seite. Marc Rühl war ihr bei der Suche nach dem ersten Reitpferd Clarus, natürlich ein Vollblut, behilflich - daraus hat sich mehr entwickelt!

Heute leben die beiden zusammen mit einem Hund, zwei Katzen und 12 Vollblütern auf einem Hof in Bedburg. Vier weitere Pferde in Besitzergemeinschaften sind auf verschiedene Rennställe verteilt. Wenn die beiden auf Reisen sind, ziehen Freunde ins Haus und versorgen die Tiere.

Hat er sich eigentlich einmal überlegt, Fotos für externe Print-Medien zu machen? Manchmal liefert er Fotos an Zeitungen, aber nur schöne Bilder, die dem Sport dienen. Die Anfrage einer Zeitung für ein regelmäßiges Engagement hat er abgelehnt, nachdem ihm aufgetragen wurde, nicht nur schöne Bilder vom Galoppsport zu liefern. „Ich mache keine Bilder von verletzten Pferden, daher habe ich eine Zusammenarbeit abgelehnt“, verrät uns Marc Rühl. Ein Mann mit klaren Ansichten eben. 

Eine Chance für Nevada Smith

Dass der gebürtige Hamburger nicht nur für den Galopprennsport einsteht, sondern auch für seine Pferde, wird mir bewusst, als er mir die Geschichte von Nevada Smith erzählt. Das Fohlen war gerade zwei Monate alt, als er es mit einem Ellbogenbruch auf der Weide vorfand. Alle Experten gaben ihm den Rat, das junge Fohlen aufzugeben. Der Tierarzt war bereits unterwegs, als er sich gemeinsam mit seiner Frau entschied, Nevada Smith eine Chance zu geben. Acht Wochen lang musste das Fohlen gemeinsam mit seiner Mutter im Stall bleiben. Was das für einen Vollblüter bedeutet, kann wohl jeder Besitzer und Züchter einschätzen. „Als eine große Party auf dem Nachbarhof stattfand - gerade nachdem die achtwöchige Stallruhe vorbei war - haben wir neben dem Paddock bei Stute und Fohlen gezeltet, um sie gegebenenfalls zu beruhigen“, berichtet Marc Rühl. Der Aufwand hat sich gelohnt: Nevada Smith ist jetzt ein Jahr alt, hat sich prächtig entwickelt und wird wohl Rennen laufen können. Eine tolle Geschichte, die wohl nur echte Pferdeliebhaber schreiben können.

Nachdem mir Marc Rühl alle Fragen beantwortet hat und wir gemeinsam mit seiner Frau ein Stück Kuchen gegessen haben, darf ich einen letzten Blick auf den riesigen Bildschirm im Wohnzimmer werfen. Darauf erkenne ich das wenige Tage alte Hengstfohlen Nepalo, das von seiner Mutter Nassau liebevoll bewacht wird. Dieses Bild nimmt nicht nur einen großen Raum im Zimmer ein, sondern auch im Leben von Marc Rühl.

Dr. Petra Bracht

 

GERMAN RACING

Erlebnissport der Extraklasse.
Unter der Dachmarke “GERMAN RACING” werden spannende Pferderennen und stimmungsvolle Veranstaltungen auf den deutschen Rennbahnen abgehalten. Seit 188 Jahren bestehen Pferderennen als ältester organisierter Sport in Deutschland. Ein echter Klassiker!

Imagefilm

GERMAN RACING Imagefilm