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Menschen im Galopprennsport

Im Porträt: Ralf Steinmetz

Es herrscht gespannte Aufmerksamkeit auf der Rennbahn. Die Favoriten sind gesetzt, die Pferde startklar. Der letzte Galopper betritt die Startbox und der Starthelfer eilt an die Seite. Mit einem Knopfdruck öffnen sich die Boxen und die Pferde schießen heraus. Wer koordiniert eigentlich diesen wichtigen Teil eines jeden Rennens? Wer trägt die Verantwortung für diese hektischen Minuten und entscheidet über den Moment des Starts? In Nordrhein-Westfalen, sowie Hamburg und Baden-Baden macht das Ralf Steinmetz. Er ist Starter und damit dafür verantwortlich, dass Jockeys und Pferde geordnet ins Rennen starten.

Ralf Steinmetz
Name Ralf Steinmetz
Alter 58 Jahre
Wohnort Köln
Beruf Sachbearbeiter Renntechnische Abteilung DVR, Starter
 

Ralf Steinmetz ist einer meiner Kollegen beim Direktorium für Vollblutzucht und Rennen. Vom ersten Tag an übte sein Job an der Startmaschine eine große Faszination auf mich aus und mir war klar, dass er einer meiner ersten Interviewpartner für die neue Serie werden sollte. Bereits seit 25 Jahren ist er für den Dachverband tätig und entsprechend ausgestattet mit Erfahrungen und Fachwissen. In der Renntechnischen Abteilung bearbeitet der gebürtige Hannoveraner die Besitzerwechsel von Renn- und Zuchtpferden und die Eintragungen für Decknamen und Teilhaberschaften. 

Er ist im Galopprennsport groß geworden. „Bereits mit vier Jahren habe ich mein erstes Derby besucht. Daran kann ich mich aber nicht mehr erinnern“, gibt der 58-Jährige schmunzelnd zu. Seine Eltern betrieben von 1966 bis 1971 ein Gestüt in der Nähe von Hannover, sein Vater war später auf den Rennbahnen in Hannover, Düsseldorf, Neuss und Baden-Baden als Trainer tätig. Ein besonderer Moment im Leben der Familie war der Derbysieg von Nicaron, der 2005 als Sieger in Hamburg ins Ziel kam und vom Vater trainiert wurde. Und nicht nur das: Als Starter des Derbys war kein anderer als der Sohn Ralf Steinmetz im Einsatz.

Mit Leidenschaft dabei

Ralf Steinmetz ist von Anfang an mit Leidenschaft im Galopprennsport verwurzelt gewesen. „Ich habe bereits alles gemacht: Ich bin in der Morgenarbeit geritten, habe die Pferde im Führring präsentiert und bin die Pferdetransporte gefahren.“ Nach der Schule entschied er sich eine Ausbildung bei der Polizei zu machen. Danach schloss sich der Dienst bei der Einsatzhundertschaft in Hannover an und als sein Vater 1981 seinen Trainingsbetrieb nach Düsseldorf verlegte, ließ er sich 1985 ins Rheinland versetzen. Denn eins stand fest für den Galopp-Liebhaber: Die Wochenenden waren reserviert für den Rennsport!

Rüdiger Schmanns vom DVR kannte er bereits seit der Schulzeit in Hannover und wechselte schließlich mit seiner Hilfe von der Polizei in Düsseldorf zum Direktorium. Als Starter war er zu dem Zeitpunkt schon seit drei Jahren aktiv. Nun konnte er sein Hobby zum Beruf machen und verbrachte seine Wochenenden obendrein als Starter auf der Rennbahn. „Im Schnitt starte ich an 60 bis 70 Renntagen im Jahr die Rennen. Es gab auch schon Jahre, in denen ich an 110 Tagen im Einsatz war“, verrät mir der Wahl-Kölner. Seine Lebensgefährtin teilt seine Leidenschaft und begleitet ihn zu vielen Rennen – sonst wäre dieser Einsatz wohl auch nicht möglich.

Startschwierige Pferde und Flaggenstarts

Endlich kommen wir zum spannendsten Part meines Interviews: Wie läuft ein Start ab? Kennt er die Pferde, die Probleme beim Gang in die Startbox machen, schon im Voraus? Jeder Start wird genau vorbereitet und Ralf Steinmetz weiß, ob Debütanten oder startschwierige Pferde dabei sind. 

„Ich kenne meine Pappenheimer. Bekannt startschwierige Pferde müssen zuerst in die Startbox“

, berichtet Ralf Steinmetz. Dabei treten dann auch die Starthelfer in Aktion, die heutzutage mit Helm und Schutzweste ausgerüstet sind. Pferde werden dann schon mal in die Boxen geschoben oder mit Kapuzen versehen. Wenn es wirklich schwierig wird, muss auch Ralf Steinmetz schon mal mithelfen. Ungefähr zwei Minuten räumt er einem Pferd ein, in die Box zu gehen; dauert es länger, werden Pferde in Abstimmung mit der Rennleitung vom Start verwiesen. Aber das kommt nicht häufiger als 15 bis 20 Mal im Jahr vor. Der Blick zur Uhr gehört für einen Starter ebenfalls zur wichtigen Pflicht: In ständigem Austausch mit der Rennleitung müssen Zeiten eingehalten werden, wenn es sich zum Beispiel um ein PMU-Rennen handelt oder Live-Übertragungen im Fernsehen stattfinden. Der Starter wartet schließlich auf zwei Signale: Zum einen auf die gelbe Flagge des Hilfsstarters, die signalisiert, dass hinten alle Klappen geschlossen sind. Außerdem muss auch der letzte Starthelfer die Boxen verlassen haben. Erst dann wird der Knopf gedrückt und die Boxen öffnen sich.

Heikler wird es für den Starter bei einem notwendigen Flaggenstart. Der wird nötig, wenn die Startmaschine nicht funktioniert oder das Geläuf sehr tief ist und die Maschine nicht bewegt werden kann. „In einiger Entfernung lasse ich dann die Pferde in einer Linie im Schritt auf mich zukommen und hebe die Flagge zum Start. Dann muss ich sehen, dass ich schnell wegkomme“, schildert mir der 58-Jährige. Hört sich nach Nervenkitzel an, aber für Ralf Steinmetz ist das Routine. Was zeichnet nun die Qualitäten eines Starters aus? Sicher benötigt man viel Ruhe und Übersicht, aber auch eine gute Wetterfestigkeit, wie Ralf Steinmetz ergänzt. „Denn Rennen finden auch im Winter und bei Wind und Regen statt und mein Arbeitsplatz ist nun einmal unter freiem Himmel“.

Nach so vielen Jahren im Galopprennsport gibt es doch sicherlich ein Pferd, das ihm besonders in Erinnerung geblieben ist. Da kommt die Ruhe und Übersicht des Starters wieder durch, denn er überlegt lange: „Ich war live dabei, als Danedream den Arc gewonnen hat. Das war einzigartig!“

Dr. Petra Bracht

 

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