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Menschen im Galopprennsport

Im Porträt: Simone Harnischmacher

Im Galopprennsport trifft man auf viele unterschiedliche Menschen: Auf Personen, die fast jeder kennt und die sehr präsent sind, auf andere, die mehr im Hintergrund arbeiten oder die nie auf einer Rennbahn zu sehen sind und doch einen großen Anteil am Geschehen in diesem Sport haben. Wir möchten Ihnen einige diesr Persönlichkeiten vorstellen: Was sie tun, was sie bewegt, was sie außerhalb des Galopprennsports machen. Vielleicht sprechen wir ja morgen auch Sie für ein Interview zu dieser Serie an?

Simone Harnischmacher
Name Simone Harnischmacher
Alter 54 Jahre
Wohnort Hannover
Beruf Technische Zeichnerin
Tätigkeit im Galopprennsport Pferdepflegerin
 

Zugegeben, ich kannte noch nicht viele Personen im Galopprennsport, als ich im letzten Jahr beim Expertentag in Hannover war und rätselte, wer denn die Person sein könnte, die neben mir stand. Schließlich sprach ich sie an und stellte schnell fest, dass ich Simone Harnischmacher schon auf vielen Fotos neben ihrem Schützling Iquitos gesehen hatte. Schon damals entwickelte sich ein interessantes Gespräch, da die stetige Begleiterin des Ausnahme-Galoppers viel zu erzählen hat.

Bereits als Jugendliche verbrachte die gebürtige Hannoveranerin ihre Freizeit auf der Reitanlage. 1982 fand sie den Einstieg in den Galopprennsport, als sie auf der Neuen Bult in Hannover ihre Unterstützung beim Training anbot. Nach einem kurzen Vorreiten wurde sie fest in das Amateur-Team aufgenommen und wechselte später in das Team von Hans-Jürgen Gröschel. Damit begann eine lange und vertrauensvolle Zusammenarbeit, die mit den Erfolgen von Iquitos ihren bisherigen Höhepunkt fand.

Wie sieht der Alltag einer Pferdepflegerin, Reisefuttermeisterin und Trainingsreiterin aus? Simone Harnischmacher hat quasi „nebenher“ einen Vollzeitjob, denn sie arbeitet hauptberuflich als technische Zeichnerin. „Wenn ich es schaffe, reite ich vor Arbeitsbeginn zwei bis drei Lots. In der grünen Saison bin ich jedes Wochenende unterwegs; manchmal einen Tag lang, seltener auch einmal über Nacht, wenn es nach Baden-Baden oder München geht.“ Natürlich begleitet die 54-Jährige nicht nur Iquitos zu den Rennen, sondern auch andere Galopper. Für längere Reisen mit den Pferden wird dann auch schon mal der Jahresurlaub geopfert. 

So auch für den Japan-Cup, bei dem sie Iquitos bereits zwei Mal begleitete. Mit einer Frachtmaschine der Lufthansa ging es auf den 12-stündigen Flug nach Tokio: Neben der dreiköpfigen Crew waren nur zwei, bzw. drei Pferde und zwei Pfleger pro Pferd an Bord. Lediglich während des Starts und der Landung mussten die Begleiter angeschnallt auf ihren Sitzen verbringen, ansonsten konnten sie jederzeit zu den Pferden in die Boxen. „Iquitos ist bei allen Reisen sehr entspannt. Weder der Flug noch die Zeitumstellung haben ihn aus der Ruhe gebracht“.  Noch am Flughafen musste aus Hygienegründen das Futter und jede Flüssigkeit

 abgegeben werden. Bereits während der sechstägigen Quarantänezeit hatten die japanischen Gastgeber das für Iquitos gewohnte Futter bereitgestellt, wie zum Beispiel das Heu aus Frankreich. Untergebracht war er in einer reinen Luxus-Box – wahrlich ein Wellness-Aufenthalt! Für Simone Harnischmacher blieb kaum Zeit für Besichtigungen: Stets umgeben von einem Dolmetscher folgte sie Iquitos auf Schritt und Tritt. Besonders emotional war der Moment, als sie Iquitos zum Aufgalopp auf die Rennbahn führte. „Mir kamen die Tränen, als ich die Rennbahn betrat. Es ist, als wenn man ein Stadion mit 100.000 Zuschauern betritt – die Atmosphäre ist einfach unbeschreiblich.“ Iquitos belegte beim Japan Cup 2016 den 7. und 2017 den 15. Platz. Was sind die bewegendsten Momente in ihrer Zeit mit „Krümel“ gewesen, wie der Galopper liebevoll genannt wird? Sie zögert nicht lange und erzählt von dem zweijährigen Iquitos, der nach Hannover kommt und als Dreijähriger schwer erkrankt. Nach einer Darmverschlingung und einem Klinikaufenthalt war die Zukunft für das junge Pferd unsicher. Doch bereits im nächsten Jahr gewinnt er den Großen Preis von Baden-Baden, wird Sieger der German Racing Champions League und Galopper des Jahres 2016. „Iquitos ist Profi durch und durch – immer ruhig und entspannt, aber bei den Rennen ehrgeizig und hochmotiviert.“

Eigentlich erübrigt sich meine Frage nach weiteren privaten Hobbies oder Aktivitäten; dennoch hake ich nach. Trotz der sehr aufwändigen Wochenendbeschäftigung hat Simone Harnischmacher noch Zeit für ein eigenes Pferd, das direkt neben der Neuen Bult auf einem Reiterhof steht und regelmäßig von ihr geritten wird. Elf Jahre lang war das Mandeltraum, ein ehemaliges Rennpferd aus dem Training bei Hans-Jürgen Gröschel, das letztes Jahr als 19-Jähriger leider aufgegeben werden musste. Mit All Win hat die Hannoveranerin auch schon einen Nachfolger gefunden. Mit sechs Jahren vorerst noch als Rennpferd aktiv, hat er nun das Glück seinen Lebensabend wohl bei Simone Harnischmacher verbringen zu dürfen.

Unser kurzes Treffen in Hannover hat sich gelohnt: Die Pfleger an der Seite der Galopper haben viel erlebt und leisten einen großen Beitrag zum Erfolg ihrer Schützlinge. Simone Harnischmacher bringt es auf den Punkt: „Ein Galopper muss sich wohlfühlen und eine stressfreie Umgebung haben, um volle Leistung zu bringen. Dazu trage ich bei.“

Dr. Petra Bracht

 
Simone Harnischmacher und Iquitos
Simone Harnischmacher und Iquitos

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