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Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Weltmeisterschaft im Kopfschütteln

Hoppegarten, Köln 18. April 2017

D

er Ostersonntag in Hoppegarten bot ja einige interessante Pferderennen. Aber nach dem Altano-Rennen sah es eher danach aus, als sei man bei der Weltmeisterschaft im Kopfschütteln gelandet. Kashmar? Hatte dieses Pferd wirklich gerade das Listenrennen über 2800 Meter gewonnen und dabei den polnischen Triple-Crown-Sieger und Va Bank-Bezwinger Caccini geschlagen? Auch hektisches Blättern in den Formen half nicht weiter als bis zu der Erkenntnis, dass die Vierjährige zuletzt mit einer Marke von 64 Kilo in einem Handicap in Mannheim unterwegs war und Vierte wurde. Gut – davor hatte sie zwei Rennen auf der Sandbahn gewonnen und war im Vorjahr auch auf Gras auf einem aufsteigenden Ast. Aber gleich mehrere Klassen überspringen, das kommt bei einer vierjährigen Stute doch eher selten vor. Ich jedenfalls kann mich an einen Fall wie diesen mit einer Steigerung um 26,5 Kilo in einem einzigen Rennen nicht erinnern. Denn Kashmar steht jetzt bei 90,5 kg – die Rechnung über die Platzierten Pferde lässt kaum etwas anderes zu.

Das Altano-Rennen ist neu im Programm von Hoppegarten, ein Aufgalopp für das Oleander-Rennen am 14. Mai, das jetzt im Rahmen eines europäischen Programms zur Förderung der Steher-Rennen in den Status eines Gruppe-II-Rennens gerückt ist. Und im Oleander-Rennen wird man die Erstplatzierten am 14. Mai sicher wiedersehen, es ist mit einer starken Besetzung zu rechnen, zumal für den Sieger eine Einladung zu einem $400.000-Rennen in Belmont Park wartet.

Im zweiten Listenrennen des Tages, dem Preis von Dahlwitz, richteten sich alle Augen auf den polnischen Gast Va Bank, der erstmals nach seiner überraschenden Niederlage gegen Caccini, die eine Serie von 12 Starts ohne Niederlage beendete, wieder am Start war. Er sah hervorragend aus und lief auch nicht schlecht. Die Aura eines Wunderpferdes hat sich aber erst einmal verflüchtigt. Wie schon im Vorjahr war das Rennen großartig besetzt und es kam auch, trotz der Niederlage von Va Bank, zu einem formgemäßen Ergebnis. Wild Chief und El Loco liefen beide auf ihre derzeitige Marke von 94,5 kg (Rating 109). Für Va Bank kommen noch 93,5 kg heraus, worauf sich sicher aufbauen lässt.

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Über das am Ostermontag in Köln gelaufene Karin von Ullmann-Schwarzgold-Rennen heißt es ja, es sei eine Vorprüfung für die German 1000 Guineas. Von ihrem Status als Grupperennen her gesehen sogar die wichtigste. Irgendwas kann da aber nicht stimmen, denn seitdem das Rennen gelaufen wird (seit 2008) hat noch keine Siegerin dieses Rennens auch die 1000 Guineas gewinnen können. Hier die bisherigen Siegerinnen des Schwarzgold-Rennens und ihre Platzierungen im Düsseldorfer Klassiker: Peace Royale (nicht gelaufen), Addicted (12.), Prakasa (4.), Djumama (5.), Survey (5.), Beatrice (4.), Meerjungfrau (nicht gelaufen), La Saldana (9.) und Parvaneh (12.).

Statistisch gesehen also keine guten Aussichten für die jüngste Siegerin Delectation. Aber es gibt es ja noch andere schöne Rennen. So gab ihr Stall bekannt, dass jetzt die Poule d´Essai des Pouliches am 14. Mai in Deauville auf dem Programm stehen, die französische Variante der 1000 Guineas. Bis zum deutschen Pendent am 18. Juni sind es danach immer noch fünf Wochen. Die Zeiten als der Stutenklassiker stets am Muttertag gelaufen wurde, also am zweiten Sonntag im Mai, sind längst vorbei.

Der Sieg von Delectation konnte auch bei uns Handicappern Eindruck machen. Es sah gut aus, wie sie in der Zielgeraden durchs Feld lief und leicht gewann. Angesichts des sehr flotten Tempos konnte man schon früh ahnen, dass die Siegerin im letzten Drittel des Feldes zu suchen sein würde, und so kam es auch. Als Einzige aus dem Vorderfeld hielt Peace in Motion stand, was für ihre Klasse spricht. 

Die frühe Jahreszeit erlaubt es nicht, große Zahlen zu schreiben. Das Durchschnitts-Rating für die Siegerin aus den vergangenen fünf Jahren ist 92,5 kg. Die vorläufige Marke von 93 kg (Rating 106) für Delectation passt da recht gut und sollte für eine noch ungeschlagene Stute und Siegerin von bereits zwei Grupperennen angemessen sein.

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Elle Danzig ist tot. 22 Jahre ist sie alt geworden, ein Aushängeschild für das Gestüt Wittekindshof, auf der Rennbahn und auch in der Zucht. Es soll hier noch einmal daran erinnert werden, dass Elle Danzig elf Grupperennen gewonnen hat, soviel wie keine andere Stute in Deutschland. Mehr hat überhaupt nur einer geschafft, der große Acatenango mit 13 Gruppesiegen. Elle Danzig war ein hartes und immer einsatzbereites Rennpferd, das häufig spielerisch leicht gewann, aber auch großen Kampfgeist zeigte, wenn es darauf ankam. Wie in jenem legendären Dallmayr-Preis in München, als sie mit Artan Kopf an Kopf durchs Ziel ging und Artan zunächst zum Sieger erklärt wurde. Nach genauer Inaugenscheinnahme des Zielfotos musste dieses Ergebnis später dann korrigiert werden. Ich erinnere mich auch gut an einen ihrer Siege im Preis der Deutschen Einheit, an einem eiskalten 3. Oktober, als ein Schneegestöber über Hoppearten niederging. Zwei ihrer drei Gruppe-I-Siege holte sie in Italien, im Premio Roma. Herausragend auch ihre beiden klassischen Siege in den 1000 Guineas und im Preis der Diana, ein Doppel, das in den vergangenen Jahren selten geworden ist. Im GAG erreichte sie 97,5 kg, eine Marke, die nur wenige Stuten schaffen. Im Gestüt brachte Elle Danzig viele und vor allem auch gute Pferde, stellvertretend sei Elle Shadow genannt.

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