Login
Trainerservice
Schliessen
Login

Blog: Chefhandicapper Harald Siemen

Wonnemond in der Frühjahrs-Meile

Düsseldorf 11. April 2017

Seit nunmehr einigen Jahren ist das Wonnemond-Festival in der Sächsischen Schweiz am Himmelfahrtstag Treffpunkt für die Freunde des Heavy-Metal-Sounds. Es treten Bands auf mit Namen wie BitchHammer oder Motorjesus. Beim Wonnemond-Festival am vorigen Sonntag auf der Düsseldorfer Galopprennbahn beschränkte sich die musikalische Darbietung auf ein Trompetensolo zur Melodie des Deutschlandliedes, zu Ehren des vierjährigen Pferdes Wonnemond nach dessen Sieg in der XTIP-Frühjahrs-Meile, dem ersten Grupperennen der Saison 2017 in Deutschland. Es war der fünfte Sieg in Folge für dieses erstaunliche Pferd, und wenn das so weiter geht, kann man bald von einer Serie sprechen. Seit Quijano in den Jahren 2006 und 2007 zehn Mal in Folge siegte, hat kein deutsches Pferd mehr als sechs Rennen ohne Niederlage überstanden. Tim Rocco, Tasci und Lordsbury Pride sind diejenigen Pferde, die zuletzt immerhin ein halbes Dutzend schafften.

Obwohl Wonnemond im Auktionsring mit €9.000 recht preiswert war, hat er doch keine Tellerwäscherkarriere im eigentlichen Sinn gemacht. Denn von Beginn an bekam er anspruchsvolle Aufgaben gestellt, traf stets auf gute Gegner. So gleich bei seinem Debüt im September 2015 in Croisé-Laroche, als er nur an einem gewissen Jimmy Two Times scheiterte, inzwischen im Stall von André Fabre selbst mehrfacher Gruppesieger. Danach folgten zwei Platzierungen in wertvollen Auktionsrennen in Dortmund und Baden-Baden, was dazu führte, dass er nach seinem Maidensieg im April 2016 von uns Ausgleichern gleich mit einem anspruchsvollen GAG von 85 Kilo ausgestattet wurde. 

In der Folgezeit hat Wonnemond sich wohl nicht immer ordentlich benommen, oder es tat ihm vielleicht auch etwas weh – jedenfalls kehrte er nach zehn Wochen Pause im August als Wallach verändert auf die Rennbahn zurück. In diesem Status ist er nach jetzt fünf Starts immer noch ungeschlagen. Das etwas knifflige Management überwand er mit zunächst zwei Siegen im Ausgleich I, was ihn auf ein GAG von 90,5 beförderte. In dieser Form waren die beiden Siege in Hannover einem Auktionsrennen und einem Listenrennen leichte Aufgaben. Am Sonntag folgte dann der erste Gruppesieg gegen einige höher eingeschätzte Gegner wie Degas oder Millowitsch. Wir haben das Rennen über Diplomat gerechnet, der schon in Doha ein sehr gutes Rennen lief, und kommen für Wonnemond auf 95 kg.

Die Frühjahrs-Meile hat eine recht kurze Geschichte, sie wird erst seit 2011 in dieser Form in Düsseldorf gelaufen. Mit Alianthus (97,5 kg) und Amaron (96 kg) hat es bereits zwei Doppelsieger gegeben und auch mit dem Vorjahrsseiger Guiliani (96,5 kg) kann Wonnemond noch nicht mithalten. Seine Leistung liegt auf dem Niveau von Global Thrill, der 2012 für seinen Sieg ebenfalls 95 Kilo erhielt.

Video: XTIP Frühjahrsmeile (Gruppe 3) – Sieger: Wonnemond

* * *

Auch das zweite Hauptrennen am Sonntag in Düsseldorf, das Listenrennen für Derbypferde, hat noch keine Tradition. Als es im vorigen Jahr das erste Mal gelaufen wurde gewann Swinging Duke gegen Zirconic Star. Beide Pferde brachen sich wenig später bei der Morgenarbeit ein Bein, ein Schicksal, vor dem ein gnädiger Turfgott die beiden Ersten der diesjährigen Ausgabe bitte bewahren möge. Denn wenn nicht alles täuscht, handelt es sich bei Windstoß und bei Nerud um echte Derbypferde. Zu keinem Zeitpunkt kam ein anderer Teilnehmer für den Sieg in Frage, beide setzten sich in der Zielgerade auf zehn Längen Vorsprung ab. Das spricht schon für eine gewisse Klasse, wie auch die schnelle Zeit von 2:15,25 Minuten für die 2200 Meter, für die Nerud verantwortlich war. Windstoß gewann zwar leicht, aber Nerud wird als großes und schweres Pferd noch Fortschritte machen. Die 91 Kilo für Windstoß sind natürlich aus der Luft gegriffen. Sie lassen sich nirgendwo wirklich festmachen, sondern entsprechen mehr einem Gefühl. Manchmal bleibt auch einem Handicapper nichts als das.

* * *

Video: 2017 Longines Queen Elizabeth Stakes – Siegerin: Winx

Das war jetzt Nummer 17. Siebzehn Siege ohne Niederlage für Winx. Wieder gegen Hartnell. Und das ist das Problem. 7:0 steht es bei den Begegnungen dieser Beiden inzwischen. Und Hartnell ist mit einem Rating von 123 immer noch Australiens zweitbestes Pferd. Man darf also sagen: Winx gehen die Gegner aus. Ob über 1400, 1600 oder 2000 Meter, ob im Frühjahr oder Herbst, auf festem Boden oder schwerem, ob sie innen startet oder außen: das Ergebnis ist immer dasselbe. Winx gewinnt. Und zwar ohne sichtbare Anstrengung. Im Schlussbogen pirscht sie sich aus dem Mittelfeld heran, segelt mit Schwung um die letzte Ecke, um sich alsbald auf mehr oder weniger großen Vorsprung abzusetzen. Ein australisches Wunder. Ein Weltwunder sogar? Um das zu erfahren, müsste man Winx nach Europa schicken. Oder zumindest nach Hongkong. Sie soll aber eine Sommerpause bekommen, voraussichtlich bis Ende August. Danach steht ein dritter Sieg in der Cox Plate im Fokus, das im Oktober gelaufen wird. Von Royal Ascot ist auch die Rede. Aber erst für 2018.

Der Sieg in den Queen Elizabeth Stakes, nach dem Melbourne Cup das zweitreichsten Rennen Australiens (4 Mio. A$), war also ihr 17. Sieg in Folge. Sie überholte damit Pferde wie Ribot, Cigar und Citation, die alle 16 Rennen am Stück gewannen. Bis zu den 25 Siegen (und das ohne Niederlage) von Black Caviar dauert es aber noch etwas. Nach Rating stehen beide schon jetzt gleich, in den World Ranking erhielten sie jeweils 132 (106 kg). Sieht man einmal von den zu inflationären Zeiten (1979) entstandenen 137 für Three Troikas ab, ist ein Rating von 132 die höchste jemals für eine Stute vergebene Einschätzung in der 40-Jährigen Geschichte von International Classification bzw. World Rankings. In den 1980er-Jahren kamen auch All Along, Pebbles und Miesque auf 132. Bosra Sham schaffte 131, Goldikova und Treve kamen auf 130.

 

GERMAN RACING

Erlebnissport der Extraklasse.
Unter der Dachmarke “GERMAN RACING” werden spannende Pferderennen und stimmungsvolle Veranstaltungen auf den deutschen Rennbahnen abgehalten. Seit 188 Jahren bestehen Pferderennen als ältester organisierter Sport in Deutschland. Ein echter Klassiker!

Imagefilm

GERMAN RACING Imagefilm