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Dennis Schiergen, Jockey des Favoriten Boscaccio, im Interview

„Das Derby kann kommen!“

Köln / Hamburg 7. Juli 2016

Vier Starts, vier Siege – das ist die eindrucksvolle Bilanz von Boscaccio, dem Favoriten für das IDEE 147. Deutsche Derby. German Racing sprach mit Dennis Schiergen – der 21-jährige Kölner Jockey und Sohn des Trainers Peter Schiergen ist der Reiter des Top-Stars im Derby-Feld.

Welche Voraussetzungen bringt Boscaccio mit, um das Derby zu gewinnen?

Dennis Schiergen: Er ist ein sehr unkompliziertes Pferd, das auch auf jedem Boden schon gewonnen hat, egal ob weich oder gut. Auch von der Taktik ist alles möglich. Er hat beim Debüt vom letzten Platz gewonnen, dann von dritter Position, in Hannover von der Spitze aus und in Köln aus dem Mittelfeld. So wünscht man sich das.

Wie kamen Sie zu dem Derby-Ritt auf Boscaccio?

Dennis Schiergen: Ich kenne Herrn Hupe und seine Frau, den Besitzer, schon länger. Für sie habe ich schon Orsello im Derby reiten sollen. Doch nach seinem dritten Platz im Union-Rennen verletzte er sich eine Woche vor Hamburg und konnte nicht starten. Vor zwei Jahren kam Herr Hupe zu mir und erzählte mir von einem Jährling, den er im Gestüt Fährhof gekauft hatte. Schon damals hat er gesagt, dass er mit diesem Hengst, es war Boscaccio, gerne in Richtung Derby gehen und mich als Reiter haben wollte.

Und wie hat sich dieser Hoffnungsträger dann entwickelt?

Dennis Schiergen: Boscaccio war im Training bei Norbert Sauer. Nach dem tragischen Unfall im März 2015 suchte Herr Hupe einen neuen Trainer. Er wollte das Pferd gerne in seiner Nähe haben. Da kamen Bremen und Hannover als Standorte in Frage. Und es sollte ein kleiner bis mittelgroßer Stall sein, und ich sollte der Reiter sein. Da fiel die Wahl auf Christian Sprengel. Christian hat mir schon nach einigen Wochen gesagt, dass Boscaccio ein richtig gutes Pferd sei. Es herrscht zwischen uns allen eine große Vertrauensbasis.

2015 gewann Nutan aus dem Stall Ihres Vaters Peter Schiergen das Derby. Kann man Boscaccio mit Nutan vergleichen?

Dennis Schiergen: Beide haben nur die Größe gemeinsam, sind beide sehr groß, aber ansonsten komplett unterschiedlich. Boscaccio ist nicht so schwer wie Nutan. Dieser war ein Galoppierer, der an erster bis dritter Stelle im Rennen gehen musste. Boscaccio ist sehr viel unkomplizierter, kann enorm viel Speed entwickeln.

Wie vereinbaren Sie Ihr Studium mit dem Rennreiten? Student und Spitzenjockey ist ja keine normale Kombination.

Dennis Schiergen: Im Winter ist es natürlich einfacher, da weniger Rennen stattfinden. Aber in der Uni kann man das besser vereinbaren als in der Schule, da sich viel selbst strukturieren lässt. Seit dem Frühjahr konnte ich mir einiges nach Wunsch einteilen. Und gerade habe ich meine Bachelor-Arbeit geschrieben. Bei den Galopptagen und wenn nicht ganz so viel für das Studium zu tun ist, bin ich am Stall meines Vaters. Ansonsten arbeite ich viel zu Hause für die Uni. Am Wochenende konzentriere ich mich dann komplett auf die Rennen. Da muss man zu 100 Prozent da sein.

Auch ihr Bruder Vinzenz ist ein Top-Reiter, war gerade wieder Amateur-Champion. Was unterscheidet Sie von ihm?

Dennis Schiergen: Vinzenz hat eine unwahrscheinlich gute Hand, besser als ich. Er kann sich sehr gut in ein Pferd einfühlen und stark auf Warten reiten. Es gibt nicht viele in Deutschland mit solch einem Feeling. Ich denke, dass ich im Endkampf stärker bin. Daher ergänzen wir uns beide. Das ist ja nicht schlecht für meinen Vater, wenn er einen passenden Reiter braucht.

Abschließend Ihre Prognose für das Derby?

Dennis Schiergen: Wir haben natürlich eine sehr gute Ausgangslage für das Derby. Zum einen von den Leistungen her, die er bisher gezeigt hat und zum anderen durch Boscaccio selber. In der Union in Köln hat Boscaccio super angezogen, ohne dass ich ihn groß fordern musste. Ich habe ihn ein einziges Mal unterstützt. Das stimmt mich sehr optimistisch. Das Derby kann für uns kommen!

Das Interview führte Michael Hähn.
 

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