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Am Sonntag startet er mit Potemkin in der Champions League der Galopper

Klaus Allofs ist Pferdebesitzer mit Herz und Sportsgeist

München 28. Juli 2016

„Fußball ist mein Beruf. Beim Turf finde ich Ablenkung und Entspannung.“ Fußball-Manager und Ex-Nationalspieler Klaus Allofs trennt seine großen Leidenschaften sehr genau. Beide verfolgt er schon seit Kindesbeinen. Er wuchs in Gerresheim ganz in der Nähe der Düsseldorfer Rennbahn am Grafenberg auf. „Mein Großvater besaß eine Konditorei, die auch am Sonntag geöffnet hatte. Nach Ladenschluss sind wir zu Fortuna Düsseldorf oder auf die Rennbahn gegangen“, berichtete Allofs in einem Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“.

Die Fußballkarriere führte über Fortuna Düsseldorf, Köln, Marseille, Bordeaux nach Bremen. Nach der aktiven Zeit mit vielen Titeln (siehe Info unten) war Allofs zwei Jahre Trainer bei Fortuna Düsseldorf, dann 13 Jahre im Vorstand von Werder Bremen, bevor er 2012 zum Nachbarn VfL Wolfsburg wechselte. Auch in den Rennsport stieg Allofs früh ein – schon mit 18 Jahren beteiligte er sich an einem Vollblüter. Sein erstes eigenes Pferd war dann die Frontal-Stute Wadima. „Sie war recht erfolgreich“, erinnert sich Allofs. „Dafür fuhr ich seinerzeit einen Simca LS für 300 Mark. Meine Mitspieler standen auf erheblich mehr Pferdestärken.“ 

Über die Jahre kaufte und beteiligte sich Allofs an mehreren Dutzend Pferden, mehr oder weniger erfolgreich. Nach einer längeren Pause stieg er 2010 wieder ein. „Klaus Allofs besuchte eine Vorführung mit Monty Roberts bei uns“, erinnert sich Simon Stokes, der die Trainingszentrale der Stiftung Gestüt Fährhof bei Bremen leitet. Der weltberühmte „Pferdeflüsterer“, dessen positiver Einfluss auf den startschwierigen Fährhofer Spitzenhengst Lomitas bestens dokumentiert ist, beeindruckte den Fußball-Manager. 

Roberts und Stokes arbeiteten mit dem Hengst Codoor, der auf Allofs „gelehrig, gutmütig, fast verträumt“ wirkte. Als ihm Fährhof-Chef Dr. Andreas Jacobs eine Beteiligung anbot, schlug Allofs zu. Die eigenen Rennfarben lila-weiß quer gestreift, weiße Reitkappe mit lila Stern - in Erinnerung an seine ersten Fußballverein TuS Gerresheim - wurde wieder belebt. Allofs und Fährhof haben eine klassische 50 / 50-Partnerschaft. „Er kommt uns mehrfach besuchen, interessiert sich sehr für die Pferde“, sagt Stokes. „Ich sage meine persönliche Meinung zu den möglichen Kandidaten und er hat auch eine klare Vorstellung.“ 

Der Erfolg stellte sich schnell ein. Mit Wake Forest gewann Allofs 2014 in Berlin-Hoppegarten sein erstes Gruppe-Rennen überhaupt. Ein zweiter Gruppe-Treffer folgte 2015 in Hamburg und dann ging es in die Arlington Million in die USA. „Dort hatten wir viel Pech, weil kurz vor dem Rennen ein Unwetter herniederging, das die Chancen von Wake Forest zerstörte“, sagt Stokes. Wake Forest blieb in den USA. Unter neuem Besitzer siegte er in diesem Frühjahr in den mit 400.000 Dollar dotierten Man O’War-Stakes. Doch Allofs hat längst einen neuen Crack in seinem Stall: Den fünfjährigen Potemkin, der vom englischen Derbysieger New Approach abstammt. Der Hengst kam erst spät in Schwung, entwickelte sich aber im Vorjahr zum Seriensieger, der sechs Rennen gewann. Höhepunkt war der Erfolg im Preis der Deutschen Einheit als direkter Nachfolger von Wake Forest.
Ende Juni knüpfte Potemkin bei seinem Saisondebüt im Dortmunder Großen Preis der Wirtschaft an diese Leistung an. Er gewann das Gr.3-Rennen über 1.750m leicht und locker. „Potemkin hat sich enorm gesteigert, seine Leistung in Hoppegarten musste er erst einmal bestätigen“, freute sich Allofs, der trotz Fußball-Europameisterschaft in Frankreich sein Pferd vor Ort verfolgte. 

Potemkin wird von Andreas Wöhler auf Ravensberg bei Gütersloh trainiert und strebt nun nach ganz oben: Mit der Champions League im Fußball kennt sich Allofs ja bestens aus, doch am Sonntag in München tritt er nun erstmals in der neuen German Racing Champions League an. Der mit 155.00 Euro dotierte Große Dallmayr-Preis über 2.000m ist ein Gr.1-Rennen und der fünfte Lauf der neuen Rennserie. Erstmals treffen nun die besten dreijährigen Pferde auf die älteren Champions wie Ito oder Iquitos

„Ich traue Potemkin zu, dass er in dieser Klasse bestehen kann“, meint Stokes. Doch auch eine Niederlage wäre nicht weiter schlimm. „Klaus Allofs hat seine Pferde sehr gerne. Er ist durch und durch Sportsmann und kann mit Niederlagen gut umgehen. Er ist eine sehr interessante Persönlichkeit, von der man viel lernen kann.“ 

Aktuell besitzt Allofs gemeinsam mit Fährhof sechs Pferde. Drei Zweijährige, zwei Dreijährige und Potemkin. Ehefrau Ute und die Kinder sind ebenfalls in der Leidenschaft Vollblut involviert. „Der Pferdesport ist ein Kulturgut“, sagt Allofs. Am Rennsport fasziniert ihn vieles: „Eine Kombination aus vielem - frische Luft im Grünen an schönen Orten. Die Geschwindigkeit und Rasse der Vollblüter. Auf der Rennbahn ist man nah dran an diesen tollen Geschöpfen. Hinzu kommt das Kribbeln beim Wetten: kleines Geld, große Spannung. Mit einem Wettschein fühlt man sich fast wie ein Mitbesitzer.“  

Die Fußball-Karriere von Klaus Allofs

Er machte 424 Bundesligaspiele, schoss 177 Tore – und wurde zwei Mal Torschützenkönig. Er gewann den Europapokal der Pokalsieger und die deutsche Meisterschaft mit Werder, holte vier Mal mit drei verschiedenen Vereinen den DFB und wurde mit Marseille französischer Meister und Pokalsieger. 56 Länderspiele, 17 Tore und der Europameisterschaftstitel 1980 stehen ebenfalls zu Buche.

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