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Star-Jockey erlebt seinen dritten Frühling

Lanfranco Dettori am Sonntag in Düsseldorf

Düsseldorf 3. August 2016

Jockeys haben im Vergleich zu anderen Leistungssportlern eine relative lange aktive Zeit – vorausgesetzt sie bleiben gesund und können dem oft hohen Druck, das Gewicht zu halten, widerstehen. Einer, der mit den Kilos kämpft, aber dennoch auch mit 45 Jahren noch zu den allerbesten seiner Zunft weltweit gehört, ist Lanfranco Dettori, den aber alle nur Frankie nennen.

Seine Klasse stellte er erst am vergangenen Sonntag in München unter Beweis, als er den Hengst Elliptique im Großen Dallmayr-Preis zum Erfolg steuerte. Am kommenden Sonntag hat Dettori nun nicht nur allerbeste Chancen, ein weiteres Gruppe 1-Rennen und damit den nächsten Lauf der German Racing Champions League zu gewinnen, sondern sich auch an die Spitze des hiesigen Galopp-Grand-Prix zu katapultieren: Denn der in England lebende Italiener reitet die für 50.000 Euro nachgenannte Favoritin Architecture, die ein harter Brocken für die deutschen Stuten sein dürfte. 

Es könnte nach den beiden Treffern mit Galileo Gold in England bereits der vierte Gruppe 1-Sieg in dieser Saison werden. Ein dritter Frühling für den extrovertierten Sattelkünstler, dessen Karriere als Topreiter eigentlich im Dezember 2012 beendet schien. Denn da wurde bekannt, dass Dettori wegen der Einnahme einer unerlaubten Substanz für sechs Monate gesperrt wird. Zumal er sich entschloss, in der Zwangspause an einer Promi-Version der TV-Peepshow „Big Brother“ teilzunehmen. Dettori schien so tief gesunken, wie noch nie in seiner 30-jährigen Karriere, die neben unglaublichen Höhen auch Tiefen verzeichnet.

Geboren am 15. Dezember 1970 in Mailand hat Lanfranco Rennblut in den Genen, denn Vater Gianfranco war 13-facher Championjockey in Italien. Seine größten internationalen Erfolge feierte dieser mit seinen beiden Siegen 1975 und 1976 in den englischen 2000 Guineas mit Bolkonski und Wollow für Henry Cecil. Spätestens nach dem der Vater dem Sohn ein geschecktes Pony zum zwölften Geburtstag schenkte, war der Lebensweg des jungen Lanfranco vorgezeichnet. Und die Familie ging einen mutigen Weg: Sie schickte den Sohn mit noch nicht einmal 15 Jahren an den Stall von Luca Cumani nach Newmarket.

1987 ritt Frankie auf Lizzy Hare in Goodwood seinen ersten Sieger in England und es ging steil und schnell nach oben. 1990 war er der erste Teenager seit Lester Piggott, der mehr als 100 Siege in einer Saison schaffte. Für weltweite Schlagzeilen sorgte Frankie im September 1996, als er beim British Champions Day alle sieben Rennen der Karte gewann. Die „Magnificent Seven“ kosteten die britischen Bookies geschätzte 40 Millionen Pfund. „Es war der Tag der ‚Mugs‘, der einfachen Wetter“, erinnert sich Buchmacher Fred Done immer noch mit einem ungläubigen Staunen. „Ein Profi hätte niemals eine Schiebewette zum Kurs von 25.095:1 gemacht. Ich dachte, ich habe alles gesehen, stimmte aber nicht.“ 

Doch selbst wenn die Fahnen bei den Buchmachern wochenlang auf halbmast hingen, letztendlich profitierten sie alle von Dettori. Denn er wird gern und viel gewettet, gerade von Gelegenheitsspielern. Ihn kennen alle - auch außerhalb der Galoppszene. Ein tragischer Unfall trug ebenfalls zu seiner Bekanntheit bei: 2000 stürzte er gemeinsam mit seinem Kollegen Ray Cochrane, der dann sein Agent wurde, beim Start einer Privatmaschine in Newmarket ab. Der Pilot verlor sein Leben, Dettori kam mehr oder weniger mit dem Schrecken davon, meidet seitdem aber kleinere Flugzeuge. 

2004 wurde Frankie dann zum ersten und bislang einzigen Mal britischer Championjockey. Sein spektakulärer Sprung aus dem Sattel nach großen Siegen, kommt zwar nicht bei allen Funktionären gut an, die Rennbahnbesucher und Fotografen lieben den „Dettori-Jump“ jedoch. Und zu springen gab und gibt es viel: Mehr als 2.500 Siege, darunter mehr als 500 Gruppe-Rennen. 

Viele dieser Erfolge sind eng verbunden mit Godolphin und dem heutigen Dubai-Herrscher Scheich Mohammed Al Maktoum. 18 Jahre lang dauerte die Zusammenarbeit, die dann 2012 relativ abrupt endete. „Es sah so aus, dass sie mich bei Godolphin nicht mehr wollten, sie drückten mich weg“, sagt Dettori über die schwierige Zeit. „Ich hatte die Wahl, als einer von vielen zu bleiben oder mich scheiden zu lassen und einen Neuanfang zu wagen.“
Dettori entschied sich für Letzteres und forcierte die Trennung. Doch der Jockey hatte an Selbstvertrauen verloren, steckte in einem tiefen Loch. Auch das Gewicht zu halten fiel ihm nicht immer leicht. „Ich bin 1,62 m groß und wiege 61 Kilo, muss aber manchmal auf 53 Kilo runter“, erzählte er in einem Interview mit „BBC Newsnight“ - eine Sendung vergleichbar mit den „ARD Tagesthemen“. 

Nach dem Ende bei Godolphin verdankt Frankie vor allem zwei Männern seinen dritten Frühling im Sattel. „Scheich Joaan Al Thani schickte mir ein Rettungsseil“, erinnert sich Dettori. „Er fragte mich 2013, ob ich für ihn reiten kann. Er hatte damals rund 25 Pferde in England und Frankreich im Training und ich dachte mir, es ist ein Anfang.“ 

Und er bekam einen Anruf von John Gosden, mit dem er über all die Jahre immer wieder zusammengearbeitet hatte. „Ich habe ihn im Stall besucht und das erste Pferd, das er mir zu reiten gab, war Golden Horn“, so Dettori. „Ich sagte ihm, das Pferd ist gut, aber es braucht noch viel Arbeit.“ Mit Golden Horn gewann er im Vorjahr den Prix de l’Arc de Triomphe. Es war bereits das wichtigste Rennen Europas. Dettori hat so ziemlich alles gewonnen, in Deutschland unter anderem drei Mal den Großen Preis von Baden, und einmal das Derby. Doch ein Titel fehlt noch: Der Preis der Diana und das könnte sich Sonntag ändern.
 

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