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Der "Krümel" Iquitos mischt die Champions League auf

Klein, aber oho!

Köln 14. September 2016

Klein, aber oho. Diese Beschreibung trifft auf einen vierbeinigen Athleten zu, den zu Hause im Stall in Hannover-Langenhagen alle nur „Krümel“ nennen.

„Er ist ein aufgeweckter Kerl, der sehr umgänglich ist und immer Hunger hat“

– beschreibt sein Trainer Hans-Jürgen Gröschel den klein gewachsenen vierjährigen Hengst Iquitos; aktuell die Nummer Eins der German Racing Champions League. 

„Das Rennen in Baden-Baden hat er ganz gut überstanden und das nächste Ziel heißt Preis von Europa“, so Gröschel. Eine Einschränkung macht der erfahrene Coach: „Es muss ein bisschen Regen bis zu dem Rennen kommen, so ganz hart darf das Geläuf in Köln nicht sein.“ Für den gebürtigen Dresdner kommt die Leistungsexplosion, die Iquitos in diesem Jahr gezeigt hat – Sieger im Gruppe 2 Großer Preis der Badischen Wirtschaft im Mai und nun Anfang September Gewinner des Gr.1 Longines Großer Preis von Baden – alles andere als überraschend. „Für mich war das nur eine Frage der Zeit“, betont Gröschel. „Er ist spätgeboren im Mai, deshalb haben wir ihn als Zweijährigen in Ruhe gelassen. Aber nach dem hochüberlegenen Gewinn eines Ausgleichs III in Baden-Baden als Dreijähriger haben wir gewusst, dass viel in ihm steckt.“ Ein zweiter Platz im Gr.3-Rennen im August 2015 hinter dem Derby-Zweiten Palace Prince untermauerte den guten Eindruck. Doch eine schwere Kolik hätte Iquitos fast das Leben gekostet, die Uhren wurden auf null zurück gedreht. Gröschel ließ sich Zeit mit dem Aufbau des Pferdes und die Geduld zahlte sich aus. Bei fünf Starts hat er in dieser Saison zwei Mal gewonnen, war nie aus den Geldrängen. Im Gr.2 www.pferdewetten.de Großer Hansa-Preis in Hamburg wurde er Zweiter hinter Protectionist, um drei Längen geschlagen. Falls es in Köln zur Revanche kommen sollte, rechnet sich Gröschel aber durchaus Chancen aus: „Wenn alles passt für Iquitos, dann kann er auch mit so einem wie Protectionist auf Augenhöhe kämpfen.“ Für Gröschel ist „Krümel“ ein spätes Geschenk. Seit 1973 ist der heute 73-Jährige Trainer, zu Beginn in der DDR, seit 1989 in Hannover. Er hat mehr als 1.180 Rennen gewonnen, doch drei Gruppe-Siege – die Stute Shy Witch gewann im Juli in Hamburg die Stutenmeile – hat er noch nie geschafft. Gröschel war bis dato eher als Meetingsspezialist bekannt. „Für einen Stall mittlerer Größenordnung ist das Meetings-Management die einzige Chance, mit den renommierten Quartieren mitzuhalten“, sagte er einmal. Es sei denn, man hat plötzlich Pferde wie Iquitos oder Shy Witch zur Verfügung, die beide auch im nächsten Jahr noch im Training bleiben sollen. Somit ist das Thema Rente auch vom Tisch. „Ich wollte mal Ende 2017 aufhören, aber ich bin durch und durch ein Pferdemann. Wahrscheinlich wird man mich aus dem Stall heraustragen müssen“, so Gröschel. Als „unverzichtbare Stütze“ ist Ehefrau Renate seit mehr als 50 Jahren an seiner Seite. Der Sohn ist nicht im Rennsport aktiv. „Leider stirbt die Rennfamilie nach fast 150 Jahren mit mir aus“, sagt Gröschel. Vater Hans Gröschel sattelte in der DDR selbst mehr als 1.000 Sieger, der ältere Bruder Eckart war einer der erfolgreichsten Trainer in Hoppegarten vor der Wende. „Ich will immer gewinnen“, sagt Gröschel, doch es sei schwer, mit den großen Ställen in Köln oder Ravensberg mitzuhalten. So wäre es sicher Genugtuung und Bestätigung, wenn Iquitos als erstes Pferd überhaupt die German Racing Champions League gewinnen sollte. „Es würde mich vor allem für die Besitzer des Stalles Mulligan freuen, an den Trainer denkt in ein paar Jahren sowieso keiner mehr“, sagt Gröschel, der aktuell 32 Pferde auf der Trainingsliste stehen hat und noch etwas Platz in Langenhangen hat. Wenn er sich da mal nicht täuscht. 

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