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German Racing Champions League 2016

Die Sieger

Köln 2. November 2016

Elf Rennen, sechs deutsche Städte und eine Gesamtdotierung von über 2,3 Million Euro - die erste German Racing Champions League fand mit dem Pastorius-Großer Preis von Bayern am 1. November einen krönenden Abschluss.

Das Champion-Pferd: Iquitos

Mit Iquitos als Gewinner der neuen Rennserie haben vermutlich zu Beginn der Champions League Anfang Mai die Wenigsten gerechnet. Denn das der Hengst 2016 überhaupt noch Rennen laufen konnte, war schon fast ein kleines Wunder. Eine schwere Kolik hatte im Jahr zuvor beinahe das Leben gekostet, Trainer Gröschel musste fast wieder bei null anfangen. Das erste Lebenszeichen, ein vierter Platz im Listenrennen in Berlin-Hoppegarten, brachte schnell die Bestätigung, ein außergewöhnliches Pferd im Stall zu haben. Der Gewinn des Gr.2 Großen Preis der Badischen Wirtschaft – die ersten zehn Punkte in der German Racing Champions League-Wertung – setzte das erste Ausrufezeichen, der Triumph auf der gleichen Bahn im September im Gr.1 Longines Großer Preis von Baden bedeutete die Krönung.

Weitere German Racing Champions League-Punkte in den Gr.1-Prüfungen Großer Preis von Bayern und Großer Dallmayr-Preis (jeweils vierter Rang) und Preis von Europa (Fünfter) rundeten das positive Bild ab. Das I-Tüpfelchen soll der Start im Japan Cup Ende November bringen. Der Sieg im Badener Grand Prix brachte die Einladung für das millionenschwere Rennen. „Der Boden wird in Tokio vermutlich fest sein, aber dafür werden die Rennen schnell gelaufen“, schätzt Gröschel. „Wenn man solch eine Gelegenheit bekommt, dann sollte man sie nutzen.“ 

Schnell gelaufene Prüfungen bringen den Speed von Iquitos hervor. Seine Fähigkeit zu beschleunigen, Rennen von hinten zu gewinnen, das zeichnet Iquitos aus und das dürfte ihn langfristig auch für die Zucht hoch interessant machen. Denn sein Vater, der Schlenderhaner Derbysieger Adlerflug, gehört ohne Zweifel zu den besten aktuellen Deckhengsten. Durch die Umstrukturierungen im Gestüt Harzburg, kehrt Adlerflug für zwei Jahre in die alte Heimat zurück. 

Gezüchtet wurde Iquitos von Dr. Erika Buhmann, die den Hof in Evershorst 1994 nach dem Tod ihres Mannes übernahm. Seit 1932 werden in Evershorst Vollblüter gezüchtet, 1955 gelang mit der Stute Lustige der Derbysieg. Evershorst musste lange auf einen Crack wie Iquitos warten - ähnlich wie der Trainer. Für den 73-jährigen Gröschel ist „Krümel“, wie Iquitos im Stall wegen seines niedrigen Stockmaßes heißt. ein spätes Geschenk. Seit 1973 trainiert er Vollblüter, zu Beginn in der DDR. Vater Hans Gröschel sattelte in der DDR selbst mehr als 1.000 Sieger, der ältere Bruder Eckart war einer der erfolgreichsten Trainer in Hoppegarten vor der Wende.

Hans-Jürgen Gröschel wechselte 1989 nach Hannover. Er hat mehr als 1.800 Rennen gewonnen, doch drei Gruppe-Siege – die Stute Shy Witch gewann im Juli in Hamburg die Stutenmeile – in einem Jahr hat er noch nie geschafft. 

Deutlich schneller kommen da die großen Erfolgserlebnisse für das Besitzerteam. Hinter dem Stall Mulligan verbergen sich vier Golffreunde aus Köln, Trier und Luxemburg. „In dieser Konstellation sind wir seit zwei Jahren zusammen“, sagte Werner Gerhold. „Ich lasse alle meine Pferde bei Hans-Jürgen Gröschel trainieren.“ Der will auch weitermachen: „Ich wollte mal Ende 2017 aufhören, aber ich bin durch und durch ein Pferdemann. Wahrscheinlich wird man mich aus dem Stall heraustragen müssen“, so Gröschel. 

„Es sind Geschichten wie diese, dass eine kleine Besitzergemeinschaft einem Superstar für 10.000 Euro kaufen kann, der dafür sorgt, dass der erfahrene Trainer sogar seine Rentenpläne verschiebt, die die Champions League ausmachen“, sagt Eckard Sauren, Mitbegründer der Rennserie. „Das erste Jahr war auf jeden Fall ein Erfolg.“ 

Der Trainer: Andreas Wöhler 

Erfolg im Galoppsport, dann ist sein Name nicht weit: Andreas Wöhler. Vier Mal Deutsches Derby, dreimal Deutscher Champion Trainer, größte internationale Erfolge mit Novellist, Paolini, Protectionist oder Silvano, um nur einige zu nennen, sind eine eindrucksvolle Bilanz, die weiter ausgebaut wurde. 

Eine Zeitlang schien es in dieser Saison gar so, als ob der 54-Jährige auf Wasser gehen könnte: Das Idee Deutsche Derby für Darius Racing mit dem selbst gezüchteten Isfahan (Lord Of England), den Henkel Preis der Diana mit der Wittekindshoferin Serienholde (Soldier Hollow) und den Großen Preis von Berlin für Australian Bloodstock mit dem Monsun-Nachkommen Protectionist – alle natürlich Teil der German Racing Champions League. Insgesamt hat Wöhler 2016 schon 15 Gruppe-Siege (Stand 1. November) eingefahren. 

„Ich hätte mir keinen anderen Beruf vorstellen können“, sagt Wöhler über sich selbst. Im November 1985 sattelte er der frühere Amateurhindernisreiter seinen ersten Starter, er hatte kurzfristig den Bremer Stall des schwer erkrankten Vaters Adolf übernommen. Längst ist Wöhler auf Ravensberg bei Gütersloh heimisch, trainiert mehr als 100 Pferde und das für eine internationale Besitzerschaft wie Jaber Abdullah aus Dubai, den Katar-Scheich Al Thani und natürlich Australian Bloodstock Stables.

Der Jockey: Andrasch Starke

Beim großen Finale in München war Andrasch Starke nicht dabei, denn er nimmt ein begehrtes Gastspiel in Japan wahr. Da sein schärfster Konkurrent Eduardo Pedroza keinen Ritt im Pastorius-Großer Preis von Bayern hatte, konnte der 42-jährige Starke bequem vom Sofa aus, einen weiteren Titel in einer schier unendlichen Reihe sammeln. Seit 1989 reitet er Galopprennen, der erste Sieg gelang als Amateur im wenig glamourösen Großkneten. Inzwischen sind es mehr als 2.200 Siege geworden, seinen Besitzern verdiente er mehr als 43 Millionen Euro Preisgeld. Seine Lehre machte er bei Bruno Schütz, dann war Starke 15 Jahre bei dessen Sohn Andreas Schütz tätig und ist seit 2007 erster Mann bei Peter Schiergen in Köln.

Für Schiergen gewann er mit Nightflower (Dylan Thomas) den Preis von Europa und sammelte in zwei weiteren Gr.1-Rennen Champions League-Punkte. Starke ist der deutsche „Mr. Derby“, denn im „Rennen des Jahres“ triumphierte er bereits sieben Mal – zuletzt 2015 mit Nutan (Duke Of Marmalade). „Das Derby zu gewinnen ist das schönste als Jockey“, sagt der achtfache Champion-Jockey. 

Starke hat natürlich auch ganz große internationale Erfolge aufzuweisen: 2000 und 2005 holte er in Hongkong die inoffizielle Jockey-Weltmeisterschaft und dann sind da natürlich die unvergesslichen Triumphe mit der Ausnahmestute Danedream - 2011 im Prix de l’Arc de Triomphe, dem wichtigsten Galopprennen in Europa, und im folgenden Jahr in Ascot die King George VI & Queen Elizabeth Stakes vor den Augen der britischen Königin.
 

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