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Windstoß und Maxim Pecheur sind die umjubelten Gewinner des IDEE Deutschen Derby 2017

Derby-Chance genutzt

Hamburg 4. Juli 2017

Manchmal bedarf es etwas Zufall und Glück, um die Chance seines Lebens zu bekommen. Wie im Falle von Maxim Pecheur, der am Sonntag mit dem dreijährigen Hengst Windstoß dem Traditionsgestüt Röttgen zum ersten Derbysieg seit fast 60 Jahren verhalf.

So eine Chance muss aber auch genutzt werden und der 26-jährige Saarländer tat dies auf eindrucksvolle Weise. Dabei gestaltete sich das IDEE 148. Deutsches Derby, der vierte Lauf der German Racing Champions League Rennserie 2017, ganz entgegen den zuvor gemachten Plänen: „Im Rennen ging alles so, wie wir es exakt nicht abgesprochen hatten“, schmunzelte er beim Siegerinterview. 

Aus der Startbox 11 heraus, fand sich der Röttgener schnell im hinteren Drittel des 18er-Feldes wieder, statt vorne mitzugehen. „Ich habe Windstoß dann aus allem Ärger und allen Unwägbarkeiten herausgehalten“, so Pecheur. Eine kluge Entscheidung. Das Warten lohnte sich, denn Windstoß entwickelte in der Zielgerade gewaltigen Speed und hat „am Ende riesig angepackt“. Die beiden schrieben somit ein außergewöhnliches Kapitel in der langen Geschichte des Rennens, das seit 1869 ausgetragen wird. 

Bei seinem zweiten Start in dieser Saison, dem Derby-Trial in Hannover Anfang Juni, kam Windstoß zu Fall. Der Sturz verlief glimpflich für den Hengst, „er hatte nur ein paar Schrammen“, so Markus Klug. Deshalb bot ihn der Trainer eine Woche später im Oppenheim Union-Rennen auf, wo Windstoß Zweiter hinter seinem Stallgefährten Colomano wurde. „Mir sind fast die Tränen gekommen“, sagte Klug, dem nach dem Derby aber noch größere Gefühle übermannten. In Köln wurde Windstoß von Pecheur geritten, denn der erste Jockey am Klug-Stall, Adrie de Vries, hatte sich bei dem Sturz in Hannover so verletzt, dass er noch pausieren muss. 

Im Derby sollte ein prominenter Ersatz für de Vries gefunden werden, Pecheur war für den 760:10-Außenseiter Sternkranz, die Nummer Sieben von sieben Klug-Pferden im Derby, vorgesehen. Die Suche nach einem ausländischen Topjockey verlief angesichts großer Rennen in Irland und Frankreich aber im Sand. So bekam Pecheur seine Chance: „Es war ein überwältigendes Gefühl, den Ritt auf Windstoß zu bekommen. Ich reite das Pferd jeden Tag im Training.“ Die Entscheidung fiel erst am Dienstag – fünf Tage vor dem „Rennen des Jahres“. „Ich hatte absolut keine Bedenken, ihn zu engagieren“, sagte Dr. Günter Paul, der Vorsitzende der Mehl-Mülhens-Stiftung, unter dessen Dach das 1924 gegründete Gestüt Röttgen seit mehr als 30 Jahren steht. Die Nachwuchsförderung hat sich die Stiftung ohnehin auf die Fahnen geschrieben und bietet deshalb jährlich drei jungen Reitern in Deutschland die Chance, sich in Newmarket an der dortigen Jockeyschule fortzubilden. Der in Pforzheim geborene und in Saarbrücken aufgewachsene Pecheur ritt 2011 seinen ersten Sieger. 

Die Jockeymarke von 50 Erfolgen erreichte er schon im folgenden Jahr, der Sieg Nummer 220 am Sonntag war nun der mit Abstand größte und wichtigste seiner noch jungen Karriere, die bei Christian von der Recke auf Weilerswist begann. Die Ausbildung beendete er bei Gerald Geisler in Iffezheim, später folgte er dem ehemaligen Iffezheimer Besitzertrainer Markus Klug nach Heumar. Für Klug ein ganz besonders emotionaler Sieg, der die Arbeit auf Röttgen als Cheftrainer stets als „unglaubliche Chance“ begriffen hat. „Jetzt haben wir einen Derbysieger für Röttgen.“ Als Uomo 1959 die Röttgener Farben zum Derbytriumph trug, war der 41-jährige Trainer „noch sehr lange nicht geboren“. Nun also Windstoß, dessen Vater Shirocco 2004 selbst das Derby gewann. Er ist das erste von bislang vier Fohlen der Röttgener Mutter Wellenspiel. Sie stammt vom 2010 verstorbenen Röttgener Deckhengst Sternkönig, der sich unvergessene Kämpfe mit den ganz Großen des deutschen Rennsports, Monsun und Lando, lieferte und 1993 Dritter im Derby wurde. Bei der BBAG Jährlingsauktion 2015 ging Windstoß durch den Ring, es fand sich aber keinen Käufer. Ein großer Fehler und gleichzeitig ein glücklicher Zufall für das Gestüt Röttgen.  

Von Peter Mühlfeit 

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