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German Racing Champions League 2017

Die Sieger 2017

Köln 31. Dezember 2016

Elf Rennen, sechs deutsche Städte und eine Gesamtdotierung von über 2,3 Million Euro - die German Racing Champions League fand mit dem Pastorius-Großer Preis von Bayern am 1. November einen krönenden Abschluss.

Das Pferd des Jahres: Guignol 

„Das hat nichts mit Taktik zu tun, er hat gezeigt, dass er der Beste ist.“ Aus Filip Minarik, der seit vielen Jahren zu den besten Reitern in Deutschland zählt, spricht die Wertschätzung für ein Pferd, das im Laufe seiner Karriere gerne unterschätzt wurde. Drei Rennen der German Racing Champions League 2017 hat der fünfjährige Hengst Guignol gewonnen, alle von der Spitze aus, alle mit Minarik. Nach den Erfolgen im Preis der Badischen Wirtschaft (Gruppe 2) und im Longines - Großer Preis von Baden (Gr.1) die Krönung in München im Pastorius - Großer Preis von Bayern (Gr.1), ein Rennen, das er bereits im Vorjahr als großer Außenseiter holte. 2017 schlug er, wenn zum Teil auch nur knapp, gleich drei Gr.1-Sieger: Iquitos (Adlerflug), Dschingis Secret (Soldier Hollow) und Waldgeist (Galileo). Eine Schwäche trat bei Guignol dabei zu Tage: „Guignol fühlt sich links herum eindeutig wohler, deshalb haben wir auch den Großen Preis von Berlin bewusst ausgelassen“, sagt der Gestütsleiter von Schlenderhan und Manager der Rennställe Schlenderhan und Ullmann. Das zeigte sich beim pferdewetten.de - Großer Hansa-Preis im Juli, als Guignol deutlich zurück nur Vierter im Fünfer-Feld wurde. Trainiert wird Guignol auf der Schlenderhaner Privatanlage in Bergheim bei Köln von Jean-Pierre Carvalho, der den bayrischen Grand Prix und Finallauf der Champions League fest im Griff hat und ihn nun vier Mal in Folge gewann: Zweimal mit Schlenderhaner Farben durch Ivanhowe (Soldier Hollow) und Ito (Adlerflug) sowie zweimal für den Stall Ullmann durch Guignol. Der von Ullmann selbst gezüchtete Guignol ist ein Sohn von Cape Cross (Green Desert), der Ende der 90er Jahre ein herausragender Meiler war und beispielsweise die Lockinge Stakes (Gr.1) und die Queen Anne Stakes (damals Gr.2) gewonnen hat. Er ist u.a. Vater der beiden Arc- und Epsom Derby-Helden Sea The Stars und Golden Horn sowie der siebenfachen Gr.1-Siegerin Ouija Board. Die Mutter Guadalupe stammt vom alles überragenden deutschen Deckhengst Monsun (Königsstuhl). Sie brachte ihr erstes Fohlen 2004, eine Kingmambo-Tochter, die aber nie auf die Rennbahn kam. 2005 kam die Listensiegerin Guantana (Dynaformer) und 2011 – ein Jahr vor Guignol - wurde dann Guiliani (Tertullian) geboren, der 2015 den Gr.1 Großen Dallmayr-Preis holte und heute auf dem Gestüt Erftmühle als Deckhengst steht. Guignol begann seine Rennkarriere erst als Dreijähriger und legte seine Maidenschaft gleich beim ersten Start in einem kleinen Rennen in Köln ab. Doch nach einem fünften Rang in einem Listenrennen in Longchamp war bereits wieder Schluss, er kehrte erst als Vierjähriger zurück auf die Rennbahn. Nach einem Aufbausieg etablierte er sich schnell in der kleinen Gruppe der deutschen Grand Prix-Pferde, war Listen- und Gruppeplatziert bis dann im November 2016 der Sensationssieg im Großen Preis von Bayern als 335:10-Außenseiter gelang. 2017 gab es dann bei nur fünf Starts drei Siege. Ein Rennen soll 2017 noch folgen: Der Japan Cup in Tokio Ende November. 

Markus Klug
Markus Klug

Der Trainer des Jahres: Markus Klug

Ein Mann hat in diesem Jahr die Gruppe-Rennen dominiert und so ist es auch kein Wunder, dass Markus Klug überlegen die Rangliste der German Racing Champions League anführt – mit weitem Vorsprung vor Jean-Pierre Carvalho und Hans-Jürgen Gröschel. „Ob ich je wieder so ein Jahr erleben werde, ist doch zweifelhaft“, sagt der Berufspessimist. Klug hat nicht nur viele Gruppe-Rennen gewonnen, sondern war häufig platziert, brachte in den großen Klassikern wie Derby und Preis der Diana zahlreiche Pferde an den Start. Das Derby (Gr.1) holte er sich mit Windstoß (Shirocco), die Union (Gr.2) mit Colomano (Cacique), doch der Star im Stall war in diesem Jahr eindeutig der Soldier Hollow-Sohn Dschingis Secret, der neben den Champions League-Rennen Gerling-Preis (Gr.2) und Longines Großer Preis von Berlin (Gr.1) noch den Großen Hansa-Preis (Gr.2) und den international viel beachteten Prix Foy (Gr.2) gewann. Markus Klug wurde am 9. Juni 1976 im rumänischen Arad geboren, wuchs aber im badischen Rastatt auf – nur wenige Galoppsprünge von der Rennbahn in Iffezheim entfernt. „Als kleiner Junge bin ich auf die Rennbahn und habe sofort Feuer gefangen“, sagt Klug. Seine Leidenschaft war erst Hobby, dann Beruf. Als Besitzertrainer in Iffezheim feierte er einige Erfolge. So gewann er in fünf verschiedenen Ländern: in Deutschland, Belgien, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Ende 2009 wagte der gelernte Versicherungskaufmann dann den Sprung zum Berufstrainer in Iffezheim. Bereits ein gutes halbes Jahr später wechselte er nach Heumar bei Köln. „Das Angebot aus Röttgen war eine unglaubliche Chance für mich“, so Klug, „so ein Traditionsgestüt, eine der ersten Adressen in Deutschland.“ Einen schöneren und besseren Arbeitsplatz kann man sich kaum vorstellen: 250 Hektar Wald, Koppeln, Trainingsbahnen und Stallungen. Der Kölnisch-Wasser-Fabrikant Peter Mülhens gründete 1924 das Gestüt Röttgen, nach dem Tode der Tochter Maria Mehl-Mülhens ging es in den Besitz der Mehl-Mülhens-Stiftung über, geleitet von Dr. Günter Paul, der die Weitsicht und Mut hatte, den jungen Klug zu engagieren. Er hat es sicher nicht bereut, zumal Windstoß der erste Röttgener Derbysieger seit Uomo 1958 ist und mit dem überlegenen Winterfavoriten Erasmus ein heißer Kandidat für das nächste „Blaue Band“ bereit steht.

Andrasch Starke
Andrasch Starke

Jockey des Jahres: Andrasch Starke

Für Experten gibt es keine Zweifel: Der am 4. Januar 1974 in Stade geborene Andrasch Starke ist der beste deutsche Jockey und vor allem der Mann für die großen Gelegenheiten. Das unterstrich er wieder in diesem Jahr, als er sich mit dem Ittlinger Enjoy Vijay (Nathaniel) fast den achten Derbysieg schnappte, nur knapp abgefangen von Windstoß. Im Henkel Preis der Diana (Gr.1) schlug er mit Lacazar (Adlerflug) dann wieder zu – sein sechster Erfolg im Stutenderby. Einer von drei Gruppe-Erfolgen in diesem Jahr. Starke reitet seit 1989. Damals gewann er als Amateur sein erstes Rennen im wenig glamourösen Großkneten. Inzwischen sind es mehr als 2.200 Siege geworden, seinen Besitzern verdiente er mehr als 44 Millionen Euro Preisgeld. Seine Lehre machte er bei Bruno Schütz, dann war Starke 15 Jahre bei dessen Sohn Andreas Schütz tätig und ist nun seit 2007 erster Mann bei Peter Schiergen in Köln, reitet dort auch im Training. In den Wintermonaten geht Starke regelmäßig nach Japan, ein Zeichen der Wertschätzung seiner Klasse. Achtmal gewann Starke das Deutsche Jockey-Championat – erstmals 1998, zuletzt 2015 gemeinsam mit Alexander Pietsch. 2000 und 2005 holte er in Hongkong die inoffizielle Jockey-Weltmeisterschaft und dann sind da natürlich die unvergesslichen Triumphe mit der Ausnahmestute Danedream: 2011 im Prix de l’Arc de Triomphe und im folgenden Jahr in Ascot die King George VI & Queen Elizabeth Stakes vor den Augen der britischen Königin. Wie bei vielen Reitern gehört der Kampf mit dem Gewicht zum Alltag. „Ich kann 54 Kilogramm reiten, in besonderen Fällen auch mal 53 Kilo“, sagt Starke. Ob er ein Pferd kennt oder nicht, macht nach seinem Empfinden keinen Unterschied: „Dann wäre ich kein guter Reiter. Es ist meine Aufgabe, die Verbindung herzustellen. Ich entscheide intuitiv aus der Startmaschine heraus, welche Taktik ich wähle.“ Natürlich habe man einen Plan mit dem Trainer, aber es komme darauf, wie das Pferd reagiere. „Die Stärke eines Jockeys liegt in den Händen, über sie ist man mit dem Pferd verbunden“, erklärt er. Über die Risiken seines Berufs macht sich der zweifache Familienvater keine besonderen Gedanken. „Ich kenne die Gefahr. Wenn ich Angst hätte, würde ich sofort aufhören.“

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